Kardionetzwerk e.V. - Logo

Gefäßerkrankung | Koronare Herzkrankheit: Behandlung

Unser virtueller Arzt wird Sie Schritt für Schritt durch die möglichen Behandlungsoptionen führen.

Behandlung einer Koronaren Herzkrankheit

Zur Behandlung einer koronaren Herzkrankheit stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Erfahren Sie hier Schritt für Schritt, wie Ihre Erkrankung bestmöglich behandelt werden kann.

Behandlung

Der Weg zur richtigen Therapie einer koronaren Herzkrankheit

Ziel der Therapie der KHK ist es, die Lebensqualität des Patienten zu verbessern und seine Symptome zu lindern. Die Leistungsfähigkeit sollte den individuellen Ansprüchen genügen; dementsprechend abgestuft erfolgt der Einsatz der verschiedenen Therapieansätze und -verfahren.

Behandlung

Untersuchung und Behandlung der Begleiterkrankungen

Bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit sollten zu Beginn der Therapie mögliche Begleiterkrankungen untersucht werden, da diese einen negativen Einfluss auf den Verlauf der Herzerkrankung haben können. Zu diesen Erkrankungen gehören: Herzinsuffizienz, periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) und cerebrale arterielle Verschlusskrankheit (cAVK).

Behandlung

Bitte wählen Sie eine Option:

Cerebrale arterielle Verschlusskrankheit (cAVK)

Auch die Halsgefäße können - ähnlich wie die Gefäße im Bein - verengt sein; dies bedeutet ein gesteigertes Schlaganfallrisiko. In diesem Fall kann eine Ultraschalluntersuchung Klarheit schaffen und die Diagnose einer cerebralen arteriellen Verschlusskrankheit (cAVK) sichern.

Herzinsuffizienz

Ist nach einem Herzinfarkt ein großer Teil des Herzmuskels abgestorben, kann sich eine Herzinsuffizienz ausbilden. Durch die Gabe entsprechender Medikamente - insbesondere in den ersten Monaten nach einem Herzinfarkt - kann meist die Ausbildung einer Herzschwäche verhindert werden; konkret ist hier die Gabe von ACE-Hemmern oder AT1-Antagonisten sowie Aldosteron-Antagonisten wirksam.

Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)

Da die Arteriosklerose alle Gefäßbereiche betreffen kann, muss bei Schmerzen in den Beinen auch an Ablagerungen in den Beinarterien gedacht werden; diese machen sich häufig durch Schmerzen in den Waden oder im Gesäß nach einer bestimmten Gehstrecke bemerkbar ("Schaufenstererkrankung"). In diesem Fall kann eine Ultraschalluntersuchung Klarheit schaffen und die Diagnose einer peripheren, arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) sichern.

Änderung des Lebensstils

Regelmäßige sportliche Betätigung kann Erkrankungen des Herzkreislaufsystems vorbeugen. Grundsätzlich sind in diesem Zusammenhang Ausdauersportarten (walken, joggen) besser als kurzfristige Höchstbelastungen (z.B. Gewichtheben, Sprints, da hierunter häufig der Blutdruck ansteigt. Trotz des nachgewiesenen positiven Einflusses von Bewegung kann Sport nicht vollständig das mit dem Alter steigende Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko eindämmen.

Früher wurde ein Herzinfarkt häufig als "Managererkrankung" tituliert. In den letzten Jahren konnte der Zusammenhang zwischen Stress und Herzinfarkt nicht belegt werden; die anderen Risikofaktoren (Alter, Geschlecht, LDL-Cholesterin, Rauchen, Hochdruck, Diabetes) erklären offensichtlich das Risiko ausreichend.

Behandlung

Kontrolle der Risikofaktoren

Für eine erfolgreiche Therapie der KHK ist die Kontrolle der Risikofaktoren und ihre Ausschaltung bzw. Behandlung besonders wichtig.

Behandlung

Bitte wählen Sie eine Option:

Nikotinkonsum

Auf Nikotin sollte unbedingt und vollständig verzichtet werden; da es sowohl beim Aktivraucher als auch beim Passivrauchen das Herzinfarktrisiko erheblich erhöht. Auch ein Wechsel auf die neuen e-Zigaretten ist nicht angeraten, denn sie haben ein ähnliches Herzinfarkt-Risiko.

LDL-Cholesterin

Eine gesunde, Cholesterin-arme Ernährung senkt das Risiko von Herzkreislauferkrankungen. Bei stark erhöhten LDL Cholesterinwerten (nach aktuellen Leitlinien > 115mg/dl) kann aber auch eine strenge Diät nur wenig bewirken. Aktuelle Untersuchungen haben daher erneut bestätigt, dass gerade die frühzeitige medikamentöse Senkung des LDL-Cholesterins im Alter zwischen 50 und 60 Jahren Herzinfarkten und Schlaganfällen effektiv vorbeugen kann. An erster Stelle werden dabei Statine eingesetzt, die die LDL-Cholesterin-Entstehung in der Leber reduzieren.

Sollte die Therapie mit Statinen nicht ausreichen, kann die Therapie mit Ezetimib kombiniert werden. Dieses Medikament hemmt die Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm.

Seit 2017 stehen für Patienten, die auch unter dieser Therapie die Zielwerte nicht erreichen oder die Medikamente nicht vertragen, die neuen, sog. PCSK9 Inhibitoren zur Verfügung: diese Medikamente müssen alle 2-4 Wochen unter die Haut gespritzt werden. Sie erhöhen die Kapazität der Leber, LDL-Cholesterin aus dem Blut zu filtern und aus dem Körper zu entfernen. PCSK9 Inhibitoren sind sehr nebenwirkungsarm und senken das LDL-Cholesterin unabhängig vom Ausgangswert auf die Hälfte.

Diabetes mellitus

Diabetespatienten haben ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen: Zum einen fördern erhöhte Blutzuckerwerte Gefäßverkalkungen. Zum anderen gehen mit dem Diabetes oftmals noch andere Risikofaktoren, wie Bluthochdruck oder Übergewicht einher. Eine gute Einstellung des Blutzuckers ist deshalb sehr wichtig bei Diabetespatienten. Dabei sollte nicht die möglichst strenge Einstellung des Zuckers im Vordergrund stehen, sondern der Schutz vor Gefäßablagerungen. Hierfür eignen sich bestimmte Antidiabetika besonders gut. Diabetiker profitieren zudem von einer guten Einstellung des Bluthochdrucks sowie Senkung des LDL-Cholesterin.

Bluthochdruck

Der Blutdruck sollte medikamentös auf Werte < 140/90mmHg eingestellt werden. Dies wird am besten durch eine frühzeitige Kombinationstherapie erreicht; an erster Stelle steht hier die Kombination eines ACE-Hemmers (meist Ramipril) mit einem Ca-Antagonisten (meist Amlodipin). Auch leichte Diuretika (z.B. Xipamid, HCT) und Spironolacton spielen eine große Rolle. Starke Diuretika wie Torasemid können zu schwankenden Blutdruckwerten führen.

Medikamentöse Therapie

Basis der medikamentösen Therapie einer koronaren Herzkrankheit sind die Hemmung der Verklumpung der Blutplättchen und die „Verdünnung“ des Blutes.

Behandlung

Bitte wählen Sie eine Option:

Plättchenhemmung

Nach einem Herzinfarkt muss für längere Zeit (in der Regel 12 Monate) die Verklumpung von Blutplättchen medikamentös unterdrückt werden – insbesondere nach einer Stent-Implantation ist eine kontinuierliche Plättchenhemmung wichtig, um eine Gerinnselbildung am Stent und damit einen Wiederverschluss des Gefäßes zu verhindern. Am häufigsten werden dabei Aspirin und Ticagrelor eingesetzt; bei älteren Patienten kommt auch statt Ticagrelor weiterhin der Vorgänger Clopidogrel zum Einsatz.

Antikoagulation

Patienten, die zusätzlich an Vorhofflimmern leiden, haben ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall. Diese Patienten müssen Medikamente einnehmen, die die Blutgerinnung hemmen – sog. orale Antikoagulanzien (OAK), oft auch als „Blutverdünner“ bezeichnet. Zum einen stehen den Patienten hier Vitamin-K-Antagonisten zur Verfügung – hier sind engmaschige Kontrollen des INR-Wertes beim Arzt notwendig. Inzwischen sind mit den sog. „neuen oralen Antikoagulanzien“ auch Wirkstoffe verfügbar, die keine kontinuierliche Überprüfung des INR-Wertes notwendig machen.  Wurde zusätzlich ein Stent implantiert verschreibt der Arzt eine Kombinationstherapie mit dem Plättchenhemmer Clopidogrel.

Mechanische Aufdehnung des Gefäßes mit einem Stent

Nehmen trotz medikamentöser Behandlung die Beschwerden zu, so empfiehlt der Arzt in vielen Fällen eine mechanische Weitung der Gefäße. Dabei wird im Rahmen einer Herzkatheterbehandlung (PCI: Perkutane Coronare Intervention; auch als PTCA bezeichnet) die Engstelle zunächst mit einem aufblasbaren Ballon etwas aufgedehnt. Anschließend wird oft ein Stent in das Gefäß eingesetzt. Ein Stent ist eine kleine Metallstütze, die an der Engstelle im Gefäß platziert wird. Hierdurch soll die erneute Verengung des Blutgefäßes verhindert werden.

Seit einigen Jahren kommen auch medikamentenbeschichtete Metall-Stents zum Einsatz, die einen entzündungshemmenden Wirkstoff an die Gefäßwand abgeben und so das Risiko eines erneuten Gefäßverschlusses minimieren.

Nach ca. 3 - 6 Monaten sind Stents der aktuellen Generation komplett in die Gefäßwand eingewachsen

Inzwischen stehen für einige Patienten auch selbstauflösende (resorbierbare) Stents – sog. Scaffolds - zur Verfügung. Anders als die permanenten Stents verbleiben resorbierbare nur eine gewisse Zeit im Körper. Bei resorbierbaren Stents aus Magnesium löst sich das Magnesium bereits nach 12 Monaten nahezu vollständig auf. Dadurch kann das Blutgefäß seine Beweglichkeit wiedererlangen und zukünftige Eingriffe am Herzen werden nicht durch die Anwesenheit eines Metallstents beeinträchtigt.

Nach der Implantation eines Stents müssen Medikamente zur sog. Plättchenhemmung eingenommen werden, um eine Gerinnselbildung am Stent und damit einen Wiederverschluss des Gefäßes zu verhindern.

Behandlung

Bypasstherapie

Wenn alle drei großen Koronararterien stark von Arteriosklerose betroffen sind („Dreigefäßerkrankung“) oder wenn ein Stent nicht implantiert werden kann, kommt die herzchirurgische Methode der Bypass-Operation zum Einsatz. Dabei wird eine direkte Überbrückung des verengten Gefäßes mit einer körpereigenen Vene oder Arterie durchgeführt.  Arterielle Bypässe halten meist sehr lange und sind den früher häufig verwendeten venösen Bypässen deutlich überlegen. Allerdings erholen sich gerade ältere Patienten häufig nur sehr verzögert von einer derart großen Operation; hier wird daher häufig die Stenttherapie bevorzugt.

Behandlung