Kardionetzwerk e.V. - Logo

Unregelmäßiger Vorhofrhythmus | Vorhofflimmern: Behandlung

Unser virtueller Arzt wird Sie Schritt für Schritt durch die möglichen Behandlungsoptionen führen.

Behandlung von Vorhofflimmern

Zur Behandlung von Vorhofflimmern stehen je nach Ursache und Häufigkeit der einzelnen Vorhofflimmern-Episoden verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Erfahren Sie hier Schritt für Schritt, wie Ihre Erkrankung bestmöglich behandelt werden kann.

Behandlung

Der Weg zur richtigen Therapie von Vorhofflimmern

Ziel der Therapie von Vorhofflimmern ist es, die Lebensqualität des Patienten zu verbessern, seine Symptome zu lindern und die mit dem Vorhofflimmern assoziierten Risiken zu senken.

Vorhofflimmern ist eine chronische Erkrankung, die in den meisten Fällen im zeitlichen Verlauf an Intensität und Häufigkeit zunimmt – bei der Festlegung der Therapie muss also auch berücksichtigt werden, wie weit fortgeschritten die Erkrankung  bereits ist. Tritt die Rhythmusstörung erstmalig und vorübergehend auf („paroxysmal“), so wird der Arzt eine andere Therapie auswählen als wenn Vorhofflimmern über einen längeren Zeitraum hinweg bereits besteht („persistierend“ oder „permanent“).

Grundsätzlich wird bei der Therapie des Vorhofflimmerns immer versucht, zum einen die  zugrundeliegende Herzerkrankung zu behandeln, zum anderen den Rhythmus zu kontrollieren. Wichtigste und dringlichste Konsequenz des Nachweises eines Vorhofflimmerns ist jedoch die Schlaganfallvorbeugung.

Behandlung

Behandlung von zugrundeliegenden Herzerkrankungen

Die Entstehung von Vorhofflimmern ist ein komplexer Prozess, dem zu Grunde ein sog. „Remodeling“ liegt, also eine Veränderung des Herzmuskels als Anpassung an die veränderten Anforderungen. Dieses Remodeling tritt häufig als Folge von Bluthochdruck, Herzklappenerkrankungen oder einer Herzschwäche auf. Tritt Vorhofflimmern erstmals auf, verändert sich der Herzmuskel in seiner Struktur und seiner elektrischen Aktivität - dies wiederum führt zu noch mehr Vorhofflimmern. Es entsteht ein Teufelskreis. Daher ist es besonders wichtig, weitere Erkrankungen und Risikofaktoren, die ein sog. Remodeling begünstigen können, zu erkennen und entsprechend zu behandeln. Dadurch kann das Auftreten von Vorhofflimmern verhindert oder zumindest abgebremst werden. Patienten, die zusätzlich an Herzschwäche leiden, oder die einen Eingriff am Herzen hatten (z.B. Stentimplantation), erhalten daher zusätzliche Medikamente.

Behandlung

Schlaganfallprävention

Patienten mit Vorhofflimmern weisen ein erhöhtes Risiko auf, einen Schlaganfall zu erleiden, denn durch das unregelmäßige und chaotische Zusammenziehen der Vorhöfe können sich Blutgerinnsel bilden, die wiederum bis ins Gehirn wandern und dort einen Schlaganfall auslösen können. Um den Patienten davor bestmöglich zu schützen, stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung.

Behandlung

Bitte wählen Sie eine Option:

Antikoagulation

Beim Vorhofflimmern besteht die Gefahr, dass sich im Vorhof durch die chaotischen Impulse des Herzens kleine Blutklümpchen bilden. Diese sog. Thromben können im schlimmsten Fall über die Gefäße ins Gehirn wandern und dort einen Schlaganfall auslösen. Wenn Vorhofflimmern nachgewiesen ist, muss eine medikamentöse Blutverdünnung erfolgen, wenn der Patient ein erhöhtes Schlaganfallrisiko hat. Dieses Risiko kann der Arzt anhand des sog. CHA2DS2-VASc Score bestimmen. Dies ist ein Bewertungsmaßstab, der verschiedene Risikofaktoren gewichtet und so bei der Risikoeinschätzung hilft. Ist der Score größer als 1, muss eine medikamentöse Blutverdünnung erfolgen. ASS („Aspirin“) und andere Medikamente zur Hemmung der Blutplättchen sind in diesem Zusammenhang wirkungslos und sollten nicht eingesetzt werden. Jüngere Patienten, die ein isoliertes Vorhofflimmern aufweisen (sog. „lone atrial fibrillation“) ohne Risikofaktoren, benötigen keine Blutverdünnung.

Antikoagulation

Vorhofohrverschluss (LAA-Okkluder)

Der Verschluss des sogenannten Vorhofohres ist ein Behandlungsverfahren bei Vorhofflimmern und dient der Prophylaxe von Schlaganfällen. Aufgrund der Aussackung des Herzens in diesem Bereich kann sich das Blut anstauen und koagulieren (gerinnen), worauf sich Blutgerinnsel (Thromben) bilden und in die Blutbahn gelangen können. Der Vorhofohrverschluss soll das damit verbundene Risiko für einen Schlaganfall senken. Hierfür wird das Vorhofohr im linken Vorhof des Herzens mit einem kleinen Schirmchen, dem Okkluder, verschlossen. Das Schirrmchen wird über einen Herzkatheter in den Vorhof geschoben und dort entfaltet. Es verhindert ebenso gut Schlaganfälle wie eine orale Antikoagulationstherapie, birgt dabei aber deutlich weniger Nebenwirkungen.

Wiederherstellung des Sinusrhytmus

Bei Patienten, bei denen Vorhofflimmern erstmalig auftritt oder die starke Symptome aufweisen, steht die Normalisierung des Herzrhythmus im Mittelpunkt (sog. Rhythmuskontrolle). Dabei wird versucht, das Vorhofflimmern in einen normalen Sinusrhythmus zu überführen. Hierfür stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung: Die medikamentöse Therapie, die Kardioversion und die Ablation.

Behandlung

Bitte wählen Sie eine Option:

Antiarrhythmika

Antiarrhytmika bezeichnen eine Gruppe von Medikamenten, die zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen eingesetzt werden. Sie beeinflussen an verschiedenen Stellen auf molekularer Ebene die Erregungsbildung bzw. -leitung im Herzen und werden dementsprechend in unterschiedliche Klassen eingeteilt. Sie werden auch als Natriumantagonisten (z.B. Lidocain), Betablocker (z.B. Metoprolol), Kaliumantagonisten (z.B. Amiodaron) oder Kalziumantagonisten (z.B. Verapamil) bezeichnet. Eine ständige Kontrolle der Blutwerte ist bei der Einnahme von Antiarrhythmika besonders wichtig, damit die Behandlung der Herzrhythmusstörungen nicht mit unerwünschten Nebenwirkungen einhergeht.

Elektrische Kardioversion

Unter einer elektrischen Kardioversion versteht man die gezielte Elektroschock-Abgabe zur Normalisierung von Rhythmusstörungen, in den meisten Fällen wegen chronischen Vorhofflimmerns. Beim Eingriff muss wegen der Schmerzhaftigkeit des Elektroschocks eine Kurznarkose durchgeführt werden. Zusätzlich wird der Patient an einem Monitor überwacht.

Sobald der Patient in Narkose ist, wird der Elektroschock abgegeben. Bei nicht erfolgreicher Kardioversion wird in der Regel ein 2. oder 3. Schock mit maximaler Energie angeschlossen, eventuell auch unter Beigabe spezifischer Medikamente. Danach müssen Atmung und Kreislauf während 1 bis 2 Stunden kontinuierlich überwacht werden, anschließend kann der Patient das Krankenhaus wieder verlassen.

Elektrische Kardioversion

Ablation

Die Radiofrequenzablation (auch als Ablation oder Katheterablation bezeichnet) ist eine interventionelle Behandlungsmethode zur Beseitigung bestimmter Formen von tachykarden Herzrhythmusstörungen. Es handelt sich dabei um einen Eingriff unter Verwendung von speziellen, steuerbaren Herzkathetern. Damit wird der Ursprungsort der Rhythmusstörung oder eine an ihrer Entstehung beteiligte Leitungsbahn aufgesucht und lokal zerstört (verödet). Dies erfolgt durch die Anwendung elektrischer Wellen, welche zur Erwärmung des Herzmuskelgewebes führen. Dadurch kommt es zur Verödung und anschließend zur Bildung einer kleinen Narbe. Da das für die Entstehung der Herzrhythmusstörung verantwortliche Herzmuskelgewebe somit nicht mehr funktionsfähig ist, werden keine unkoordinierten Impulse mehr gebildet oder weitergeleitet.

Der Eingriff findet im Herzkatheterlabor statt. Nach örtlicher Betäubung in der Leiste werden die Katheter unter Röntgen-Durchleuchtung ins Herz vorgeschoben. Mit Hilfe des Oberflächen-EKGs, der von den Kathetern registrierten elektrischen Signale aus dem Herzen sowie einer Röntgendurchleuchtung oder eines speziellen bildgebenden Verfahrens mit 3D-Darstellung wird der für die Rhythmusstörung verantwortliche Ort im Herzen aufgesucht und verödet. Das Vorschieben und Platzieren der Katheter spürt der Patient nicht.

Frequenzregulation

Bei Patienten, die bereits an einem fortgeschrittenen und dauerhaften Vorhofflimmern leiden oder die kaum Beschwerden haben, steht die Einhaltung der richtigen Herzfrequenz im Fokus (Frequenzregulation). Geeignete Medikamente sind Betablocker und Digitalis. Selten ist auch die Gabe von Amiodaron erforderlich; wegen schwerer Nebenwirkungen bei jahrelanger Einnahme ist dieses Medikament häufig jedoch keine Dauerlösung. Oft wird die Behandlung mit Antiarrhythmika auch mit einem Betablocker kombiniert, der den Blutdruck absenkt. Dadurch wird das Herz entlastet und die Beschwerden des Patienten gelindert. In einigen Fällen, vor allem bei Patienten mit selten auftretendem Vorhofflimmern und ohne weitere Begleiterkrankungen, kann auch die alleinige Gabe eines Betablockers ausreichen.

Behandlung