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21.04.2020

CARDIA-Studie: Große Blutdruckschwankungen sind schlecht für die Herzfunktion

Nicht nur die Höhe des Blutdrucks, auch stärkere Schwankungen von Messung zu Messung gelten als kardiovaskuläres Risiko. Wie Daten der CARDIA-Studie zeigen, sind die variablen Werte langfristig mit Umbauvorgängen im Herzmuskel verbunden.

Der Blutdruck des Menschen ist eine von Situation zu Situation veränderliche Größe, das ist zwar keine neue Erkenntnis. Dennoch ist relativ wenig darüber bekannt, welche klinischen Konsequenzen die Variabilität der systolischen und diastolischen Druckwerte hat. Wie eine Auswertung von Daten der CARDIA-Kohortenstudie (CARDIA: Coronary Artery Risk Development in Young Adults) zeigt, sind diese Folgen durchaus beachtlich: Sie schlagen sich sogar im Remodeling der myokardialen Struktur nieder – und in funktionalen Veränderungen, die in Richtung Herzinsuffizienz zeigen.

Eine von Dr. João Lima, Kardiologe an der Johns Hopkins University in Baltimore, geleitete Arbeitsgruppe hat aktuelle Ergebnisse der CARDIA-Studie dazu vorgelegt, wie echokardiografische Befunde mit der Variabilität der Blutdruckwerte in Beziehung stehen (JAMA Cardiol 2020; online 15. April).

Studie mit mehr als 2400 Probanden

Die Studie läuft seit Mitte der 1980er-Jahre, mehr als 2400 Probanden sind daran beteiligt, die seinerzeit zwischen 18 und 30 Jahre alt gewesen waren. In Intervallen zwischen zwei und fünf Jahren wurde der Blutdruck der Probanden insgesamt achtmal gemäß einem strengen Protokoll gemessen. 25 Jahre nach Aufnahme in die CARDIA-Studie unterzog man die dann im Mittel 50 Jahre alten Studienteilnehmer zudem einer Echokardiografie, in der die linksventrikuläre Masse und eine Reihe von kardialen Funktionsparametern bestimmt wurden.

Der systolische Druck der Teilnehmer betrug nach 25 Jahren im Mittel 117,9 mmHg, diastolisch lagen die Werte im Schnitt bei 73,3 mmHg. Die Standardabweichung der in den Untersuchungen gemessenen Drücken betrug systolisch 8,5 und diastolisch 7,1 mmHg.

Schlechtere diastolische Funktion

Für die Probanden und ihre kardiale Struktur beziehungsweise Funktion bedeutete das, dass jeder Anstieg der eigenen systolischen Blutdruckvariabilität um eine Standardabweichung mit einem Zuwachs des linksventrikulären Massenindex von 2,7 g/m2 assoziiert war. Die diastolische Funktion, gemessen als frühdiastolischer mitralannulärer Spitzenfluss, fiel schlechter aus.

Zudem stieg der linksventrikuläre Füllungsdruck als Verhältnis der mitralen Einflussgeschwindigkeit und des frühdiastolischen mitralannulären Spitzenflusses. Die Strainanalyse ergab eine geringere Verkürzung des Herzmuskels, ein Zeichen für eine verringerte linksventrikuläre Funktion. Das alles galt unabhängig vom jeweiligen Blutdruckmittelwert der Probanden.

Ähnliche Zusammenhänge ergaben sich bei Betrachtung der diastolischen Druckvariabilität, bezogen auf die Standardabweichung und unabhängig von den absoluten Druckwerten. In der Sensitivitätsanalyse, in die nur die Daten von Probanden mit Blutdruckwerten unter 130/80 mmHg eingingen, schwächten sich die Zusammenhänge zwar ab, blieben aber im Wesentlichen erhalten.

Nachteilige Veränderungen der kardialen Struktur

„Größere Schwankungen des systolischen und diastolischen Blutdrucks von Messung zu Messung sind mit nachteiligen Veränderungen der kardialen Struktur und der systolischen wie diastolischen Herzfunktion verbunden“, so das Fazit von João Lima und Kollegen.

Zu bedenken ist allerdings, dass eventuelle zusätzliche Schwankungen des Drucks, die sich zwischen den Messungen zugetragen haben mögen, nicht in die Resultate einfließen konnten. Auch ist nicht völlig klar, wie oft der Druck gemessen werden muss, um die Variabilität zuverlässig beurteilen zu können. Ein ambulantes Monitoring des Blutdrucks fand im Rahmen der CARDIA-Studie nicht statt.

Quelle: ÄrzteZeitung, 16.04.2020