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02.04.2020

Corona-Krise: Telemedizin kann Herzpatienten schon heute besser schützen

Hintergrund: Das Risiko einer COVID-19-Erkrankung für Patienten mit einem implantierten Defibrillator (ICD), einem System zur kardialen Resynchronisations-Therapie (CRT) und einem Herzschrittmacher (HSM) könnte durch den vermehrten Einsatz telemedizinischer Nachsorgen deutlich reduziert werden.

Aktuell werden weniger als 20 Prozent aller ICD- und CRT-Patienten in Deutschland mit Telemedizin betreut, obwohl die telemedizinische Funktionsanalyse eine Kassenleistung und in den kardiologischen Behandlungsleitlinien verankert ist. In den USA und Frankreich werden dagegen bereits mehr als 90 Prozent aller ICD- und CRT-Patienten telemedizinisch nachgesorgt. „Dieses Niveau müssen wir zeitnah auch hier in Deutschland erreichen, um das Risiko einer COVID-19- Erkrankung für ICD- und CRT-Patienten zu senken und das medizinische Personal, vor allem in Krisenzeiten, effektiv zu entlasten", erklärt BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll. 

Hinzu kommen die Patienten mit implantiertem HSM, die derzeit, auch auf Grund der fehlenden Abrechnungsmöglichkeit, nur in wenigen Fällen telemedizinisch betreut werden. HSM-Patienten sind jedoch deutlich älter als ICD- und CRT-Patienten und befinden sich mit einem mittleren Alter von weit über 70 Jahren bei Erstimplantation fast vollständig im Altersbereich der COVID-19-Risikopatienten.

Um eine leitliniengerechte Therapie sicherstellen zu können, müssen ICD- und CRT-Träger in vierteljährlichen und HSM-Patienten in halbjährlichen Abständen ihre Praxis oder Klinik aufsuchen, um ihr Implantat überprüfen zu lassen. Diese Funktionsanalyse ist erwiesenermaßen ohne Einschränkung der Patientensicherheit auch telemedizinisch und ohne physischen Arzt-Patientenkontakt möglich. Dies bedeutet somit auch eine Chance für den aktiven Schutz der Risikopatienten vor COVID-19. Es könnten künftig bis zu drei der geforderten Präsenznachsorgen pro Jahr durch Telemedizin ersetzt und Patientenbesuche in Praxen so drastisch reduziert werden. Dies würde eine zusätzliche Entlastung der klinischen Einrichtungen bedeuten und erlauben, der Nachsorgepflicht für ICD-, CRT- und HSM-Patienten weiter nachzukommen und Patienten mit erhöhtem Risiko für einen schweren COVID-19-Krankheitsveraluf besser zu schützen.

Die herstellerübergreifende COVID-19-Initiative zur Ausweitung der telemedizinischen Nachsorge von ICD- und CRT-Patienten wird unter anderem von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), insbesondere der Arbeitsgruppe Telemonitoring (AG33), sowie dem bundesweiten Selbsthilfegruppenverband Defibrillator (ICD) Deutschland unterstützt.

#Telemedizinschützt

Quelle: BVMed-Pressemeldung 44/20 vom 02.04.2020

Pressemitteilung BVMed, 02.04.2020