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07.05.2020

Coronakrise: Diese Herzpatienten können auch telemedizinisch versorgt werden

Kardiologische Kliniken, die über telemedizinische Zentren verfügen, haben dieser Tage einen Vorteil. Nicht-COVID-19-Patienten können eng angebunden werden – zum Beispiel vor einer TAVI.

Mehrere Krankenhäuser in Deutschland verfügen mittlerweile über telekardiologische Zentren, die bisher vor allem Herzinsuffizienzpatienten betreut haben. Auch niedergelassene Kardiologen setzten sich für die telemedizinische Versorgung ihrer Patienten ein.

Telemedizin-Klinik im COVID-19-Modus

Der Arbeitsberiech Kardiovaskuläre Telemedizin der Charité Berlin beispielsweise hat in der vor anderthalb Jahren bei der ESC-Tagung in München vorgestellten TIM-HF2-Studie gezeigt, dass ausgewählte Herzinsuffizienzpatienten stark von einem engmaschigen Telemonitoring profitieren. Anfang des Jahres machten die Berliner mit der BARMER im Rahmen eines umfassenden Versorgungsvertrags den ersten Schritt in Richtung Regelversorgung.

Fokus liegt jetzt wo anders

Dann kam COVID-19. „Wir versorgen natürlich weiter Herzinsuffizienzpatienten im Rahmen unseres Vertrags, und wir fahren auch noch raus nach Brandenburg und binden neue Patienten an“, berichtet der Ärztliche Leiter des Arbeitsbereiches Prof. Dr. Friedrich Köhler. Der Schwerpunkt liegt derzeit wegen COVID-19 aber in einem anderen Bereich: Die Telemediziner kümmern sich in Zeiten, in denen physische Patientenkontakte möglichst vermieden werden sollen, unter anderem um jene Patienten, bei denen stationäre Maßnahmen verschoben werden mussten – in der Kardiologie nicht zuletzt TAVI-Patienten.

„Verschobene“ Patienten telemedizinisch überwachen

„Der Hintergrund ist, dass wir bei den Interventionen – wie andere Kliniken – im Moment nur ein Minimalprogramm haben“, so Köhler gegenüber Kardiologie.org. „Wir führen nur sehr dringende und notfallmäßige Interventionen durch. Das heißt aber auch, dass wir die anderen Patienten sehr genau überwachen müssen, um den Zeitpunkt für eine Intervention, zum Beispiel eine TAVI, nicht zu verpassen.“ Rund 150 solcher „verschobenen“ Patienten sind derzeit auf dem Radar der Berliner Telemediziner: „Wir erhalten wir für diese Betreuung sehr gute Rückmeldungen. Die Patienten fühlen sich auch in diesen schwierigen Zeiten gut betreut.“

Sogar Amiodaron-Patienten lassen sich telemedizinisch überwachen

Ein festes telemedizinisches Betreuungsschema gibt es dabei nicht. Die Kontaktfrequenz richtet sich nach der individuellen Risikoeinschätzung, ist aber auf jeden Fall so engmaschig, dass Veränderungen bei den Leitsymptomen rasch auffallen. Es sind auch längst nicht mehr nur TAVI-Patienten, die telemedizinisch angebunden werden.

Köhler leitet an der Charité die Sprechstunde für Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern, und auch diese Patienten, eine COVID-19-Hochrisikogruppe, werden derzeit überwiegend auf Distanz per Videosprechstunde versorgt. Eine weitere Gruppe sind Patienten mit Rhythmusstörungen, die auf Amiodaron eingestellt werden. Das wurde bisher meist stationär gemacht, wegen der Gefahr einer QT-Zeit-Verlängerung. „Es hat sich jetzt gezeigt, dass das in vielen Fällen auch telemedizinisch geht. Die Qualität der mobilen EKG-Lösungen reicht dafür aus“, so Köhler.

Akzeptanz ist stark gestiegen

Besonders freut sich der Kardiologe darüber, dass in der Kollegenschaft die Akzeptanz für die telemedizinische Versorgung stark gestiegen ist. „Viele erkennen jetzt, dass wir einen wichtigen Beitrag leisten können.“ Es würden auch ständig neue Indikationen diskutiert und an das Zentrum herangetragen.

 „Insgesamt ist die derzeitige Situation ein Riesenschub für die Telemedizin in der Kardiologie. Wir werden nach COVID-19 nicht mehr über die Akzeptanz reden, sondern nur noch über die konkrete Umsetzung.“

Quelle: Kardiologie.org, 20.04.2020