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24.02.2020

Defis und Schrittmacher in neuer Verpackung

Eine neue Schutzhülle soll die Reaktion des Körpers auf implantierte Schrittmacher oder Defibrillatoren minimieren und damit verhindern, dass es durch Bindegewebswucherungen beim Wechsel der Geräte zu ernsten Komplikationen kommen kann.

Zum weltweit ersten Mal wurde die „Hylomate“ genannte Membran am Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) eingesetzt, wie das Zentrum mitteilt. Der in Berlin implantierte, mit der speziellen Schutzhülle versehene Defibrillator, soll einen 44-jährigen Patienten vor lebensbedrohlichen Rhythmusstörungen schützen.

Austausch nach 5 - 10 Jahren

Weit über eine Million Menschen in Deutschland tragen einen Herzschrittmacher und/oder Defibrillator, über 100.000 Geräte werden jährlich neu implantiert (Stand 2018). Auch wenn es dabei zu keinerlei Komplikationen kommt, müssen die Geräte je nach Lebensdauer ihrer Batterien nach etwa 5 – 10 Jahren ausgetauscht werden, erinnert das DHZB in einer Mitteilung zur Premiere.

Oft seien die Aggregate aber stark in Bindegewebe eingewachsen, das ja als Reaktion auf den Fremdkörper gebildet wird. Bei einem Folge-Eingriff am Schrittmacher oder Defibrillator muss dieses vergleichsweise harte und knotige Gewebe zunächst aufgeschnitten und entfernt werden. „Die Operation wird damit komplizierter, das Risiko für Komplikationen wie Nachblutung, Infektion oder Beschädigung der Sonden steigt“, schreibt das DHZB.

Ablagerung von Proteinen wird abgeschwächt

In Kooperation mit dem Deutschen Herzzentrum Berlin haben Wissenschaftler an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) deshalb eine spezielle Schutzhülle entwickelt. Diese „Hylomate“ genannte Membran besteht aus Zellulose, deren faserartige Struktur die Ablagerung von Proteinen auf der Oberfläche und damit den ersten Schritt der Fremdkörper-Reaktion abschwächt, wie das DHZB berichtet. Dieser Effekt werde zusätzlich durch eine spezielle Oberflächen-Mikro-Struktur der Membran unterstützt (Biomaterials. 2020; 229: 119583).

Forscher der ETH und des DHZB hätten in Versuchsreihen nachgewiesen, dass die Zellulose vom Körper nicht abgestoßen wird und sich um die Herzschrittmacher mit Schutzhülle tatsächlich deutlich weniger Bindegewebe bildet.

Die ETH-Ausgründung „Hylomorph AG“ als Hersteller der Membran koordiniere die zu einer regelhaften europaweiten Zulassung notwendigen Studien.

Quelle: ÄrzteZeitung, 05.02.2020