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11.08.2020

Deutsche Studie fragt: Sind Smartphones gefährlich für Implantat-Träger?

Erkenntnis: Smartphones und Smartwatches können von Implantat-Trägern offenbar bedenkenlos verwendet werden. In einer aktuellen Studie kam es bei Anwendung dieser Mobilgeräten praktisch nie zu gefürchteten elektromagnetischen Interferenzen. Mit früheren Mobilfunkgeräten lagen die Interferenzraten noch deutlich höher. Menschen mit einem Schrittmacher oder implantierbaren Defibrillator (ICD) wurde deshalb geraten, die Geräte mit einem Mindestabstand von 15 cm zu verwenden, also Handys beispielsweise nicht in der Brusttasche zu tragen.

Risiko wird insgesamt als vernachlässigbar gering bewertet

Der Frage, ob diese Empfehlung noch zeitgemäß ist, sind Kardiologen von der Berliner Charité nun in einer Testserie mit dem iPhone 6 und der Apple Watch A1553 nachgegangen. Bei 148 Personen, die einen Schrittmacher oder ICD von einem von vier verschiedenen Herstellern in sich trugen, hat das Team um Dr. Philipp Lacour insgesamt 1352 Tests vorgenommen (J Am Coll Cardiol EP. 2020; online 29. Juli). Die modernen Elektronikgeräte wurden entweder direkt oberhalb des implantierten Devices auf der Haut platziert oder am rechten Handgelenk getragen. Verwendet wurden die Geräte in sämtlichen Aktivierungszuständen - im Einzelnen Standby, Anrufmodus und Verbindungsaufbau. Nach dieser Testreihe können die Kardiologen Entwarnung geben: „Das Risiko für elektromagnetische Interferenzen des iPhone 6 und der Apple Watch mit implantierbaren elektronischen Devices ist gering“, lautet ihr Fazit. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu derartigen Störungen kommt, schätzen sie mit den heutigen Geräten als „vernachlässigbar gering“ ein, da es sowohl bei den kardialen Devices als auch bei den Mobilgeräten technische Fortschritte gegeben habe.

Lediglich ein einziger Störfall im Verlauf der Studie registriert

Während der gesamten Testreihe kam es nur zu einem einzigen Störfall bei einem Patienten mit persistierendem Vorhofflimmern und einem Zweikammerschrittmacher. Das elektromagnetische Feld des direkt oberhalb des Devices platzierten iPhone im Anruf- und Verbindungsmodus verursachte bei dem Mann ein Undersensing, d.h. verminderte Wahrnehmung von Signalen, was Probleme beim Moduswechsel zur Folge hatte. Der Schrittmacher löste daraufhin eine ventrikuläre Stimulation in der oberen Grenzfrequenz aus, die bei dem Patienten Palpitationen und Schwindel verursachte. Mit der Apple Watch wurde nichts dergleichen beobachtet.

Achtung: Deviceabfrage könnte beeinflusst werden

Was die Forscher allerdings öfters registriert haben, sind Störungen bei der telemetrischen Deviceabfrage, wenn sich das Smartphone in unmittelbarer Nähe befand, beispielsweise kam es zu Ausfällen bei der EKG-Aufzeichnung. Bei insgesamt 20 Patienten (14 Prozent) wurden mit dem iPhone 6 entsprechende Störungen dokumentiert, mit der Apple Watch gab es keine Probleme. Gefährlich seien solche telemetrischen Interferenzen für die Patienten nicht, betonen die Berliner Kardiologen.

Problematisch ist ihrer Ansicht nach allerdings, dass die behandelten Ärzte derartige Befunde fälschlicherweise als Fehlfunktion des Implantats interpretieren könnten und dann möglicherweise eine Revision des Gerätes vornehmen. Um derartige Fehleinschätzungen zu vermeiden, raten Lacour und Kollegen dazu, elektronische Mobilgeräte während der Deviceabfrage nicht unmittelbar neben dem Implantat zu verwenden. Die Funktion des Implantates wird durch derartige telemetrische Interferenzen aber offenbar nicht beeinflusst. Dies liegt laut der Kardiologen daran, dass in den neueren Mobilgeräten spezielle Filter eingebaut sind, welche die Elektronik gegenüber elektromagnetischen Felder abschirmen. Die magnetischen Felder der Smartphones können also die Telemetrie im Rahmen der Deviceabfrage stören, beeinflussen dabei aber nicht die Funktion des Aggregates.

Quelle: Kardiologie.org, 08.08.2020