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03.12.2020

Herzinsuffizienz-Versorgung: Innovative Tools nutzen

Alle drei Monate zum Arzt und gut ist: Dieses tradierte Konzept der Herzinsuffizienzversorgung ist bei vielen Patienten nicht ausreichend, um eine leitliniengerechte Therapie umzusetzen und Komplikationen bzw. Klinikeinweisungen zu verhindern. Dass ein Telemonitoring bei bestimmten Patienten sehr effektiv sein und sogar die Sterblichkeit senken kann, haben Studien wie die deutsche TIM-HF2-Studie gezeigt. Auch das ist aber nur ein Baustein.

Fehlende Compliance - nur Verschreiben hilft oft nicht

Prof. Larry Allen von der University of Colorado hat bei der virtuellen AHA-Tagung die Ergebnisse der EPIC-HF-Studie bei Patienten mit Herzinsuffizienz und reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) vorgestellt, die zeitgleich in der Zeitschrift Circulation veröffentlicht wurden: „Wenn wir einfach nur verschreiben, verschreiben, verschreiben und die Patienten nicht mitnehmen, dann werden wir nie die Ergebnisse erzielen, die wir erzielen wollen“, so Allen.

Aufklärung: Kurzvideo plus Checkliste

Bei der EPIC-HF-Studie ging es konkret um ein dreiminütiges Video und eine Medikationscheckliste, die die Patienten vor dem ambulanten Arztbesuch digital zugestellt bekamen. Das Video war ein Motivationsvideo, das den Patienten klarmachte, was eine leitliniengerechte medikamentöse Therapie ist und warum sie so sinnvoll ist. Auf der Checkliste trugen die Patienten dann die Medikamente inklusive Dosierungen ein. Letztlich ging es darum, die Patienten „ins Boot“ zu holen und ihnen bewusst zu machen, inwieweit sie leitliniengerecht versorgt sind oder eben nicht.

Das Ganze war randomisiert bei 290 Patienten. In der Kontrollgruppe erfolgte eine Standardversorgung ohne Video und Checkliste. Keiner dieser Patienten erreichte zum Beispiel beim Betablocker die Zieldosis, und auch bei Mineralokortikoiden und Sacubitril/Valsartan gab es bei sehr vielen Patienten Optimierungsmöglichkeiten. 

Primärer Endpunkt war der Anteil der Patienten, bei denen innerhalb von 30 Tagen nach Arztbesuch eine Therapieintensivierung in Richtung leitlinienkonformerer Therapie stattfand. Das war bei 49% der Patienten in der Interventionsgruppe, aber nur bei 30% der Patienten in der Kontrollgruppe der Fall (p<0,001). In aller Regel handelte es sich dabei um Dosiserhöhungen.

Digitale Informationskarte, die mit dem Patienten "redet"

Eine andere Intervention hat die MyROAD-Studie evaluiert, die von Prof. Nancy Albert von der Cleveland Clinic in Ohio vorgestellt wurde. An dieser Studie nahmen 1.000 Patienten mit nicht spezifizierter Herzinsuffizienz teil, die ebenfalls zwei Gruppen bildeten. Die eine Hälfte wurde konventionell versorgt, die andere Hälfte erhielt eine herzförmige, digitale Informationskarte, und den Patienten wurde empfohlen, sie an einer Stelle anzubringen, an der sie täglich vorbeikommen, also zum Beispiel am Kühlschrank.

Die Karte gab knappe Empfehlungen zu körperlicher Aktivität, Ernährung, Medikation und Selbstmonitoring. Zusätzlich konnten per Berührung ausführliche Tonsequenzen gestartet werden, die Karte „redete“ also mit den Patienten. Auch das war zumindest im untersuchten, kurzen Zeitraum sehr effektiv: Im Interventionsarm war die Zahl der Notaufnahmebesuche um 27% über 30 Tage bzw. 29% über 45 Tage geringer als im Kontrollarm.

Literatur: Allen LA et al. An Electronically Delivered, Patient-Activation Tool for Intensification of Medications for Chronic Heart Failure with Reduced Ejection Fraction: The EPIC-HF Trial. Circulation 2020; DOI: https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.120.051863

Allen L: An Electronically Delivered, Patient-activation Tool For Intensification Of Medications For Chronic Heart Failure With Reduced Ejection Fraction: The EPIC-HF Trial; 
Albert N: My Recorded On-demand Audio Discharge Instructions (MyRoad) In Heart Failure, vorgestellt bei der Late-Breaking Science-Session 9, 17.11.2020, American Heart Association Scientific Sessions 2020

Quelle: Kardiologie.org, 20.11.2020