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28.07.2020

Hypertonie - Studie zeigt, je früher sie auftritt, desto riskanter ist sie

An einer Studie der Assoziationen zwischen dem Lebensalter zum Zeitpunkt der Hypertoniediagnose und dem Risiko, kardiovaskuläre Komplikationen zu entwickeln oder zu sterben, waren mehr als 71.000 Probanden beteiligt (J Am Coll Cardiol. 2020; online 16. Juni). Zu Beginn waren sie allesamt normoton gewesen. Während der Nachbeobachtungszeit von durchschnittlich 6,5 Jahren entwickelten rund 20.000 Teilnehmer eine Hypertonie; rund 40 Prozent von ihnen nahmen eine medikamentöse Therapie auf. Weiterhin ereigneten sich fast 1700 kardiovaskuläre Zwischenfälle. Etwas mehr als 2000 Probanden starben.

Das Studienteam um Dr. Chi Wang von der Abteilung für Kardiologie am Krankenhaus der Volksbefreiungsarmee in Peking teilte die Probanden je nach dem Alter zu Beginn der Hypertonie in vier Gruppen: < 45 Jahre, 45 bis 54 Jahre, 55 bis 64 Jahre und  65 Jahre. Das Risiko für eine kardiovaskuläre Erkrankung war bei einer Hypertoniediagnose im Alter unter 45 Jahren im Vergleich zu normotensiven Personen um den Faktor 2,26 erhöht. In den höheren Altersgruppen ging die Risikosteigerung stetig zurück, bei einer Diagnose ab dem 65. Geburtstag lag das Risiko hypertoner Probanden noch 33 Prozent über jenem normotoner Studienteilnehmer. Eine statistisch signifikante Interaktion zwischen Hypertonie und Diagnosealter mit Blick auf kardiovaskuläre Komplikationen war in der multivariabel nach Body-Mass-Index, Glukose- und Fettspiegel, Rauch- und Trinkverhalten, Nierenfunktion sowie antihypertensiver Therapie adjustierten Kalkulation allerdings nicht zu erkennen.

Hohes Sterberisiko bei jungem Onset

Sehr signifikant war jedoch die Interaktion des Alters zum Zeitpunkt der Hypertoniediagnose mit dem Einfluss des Hochdrucks auf die Sterblichkeit. Die Wahrscheinlichkeit, im Beobachtungszeitraum zu sterben, war für Hypertoniepatienten mit einem Diagnosealter von unter 45 Jahren gegenüber Normotonen um das 2,59-Fache erhöht. Auch diese Steigerung ging mit dem Alter zurück, und wer erst nach dem 65. Lebensjahr erkrankte, hatte noch ein um 29 Prozent höheres Sterberisiko als Normotone gleichen Alters.

Die höchsten Steigerungsraten des Risikos gab es erwartungsgemäß im Hinblick auf Schlaganfälle. Unter 45-Jährige mit Hypertoniediagnose erlitten adjustiert 2,59-mal so häufig einen Schlaganfall wie Normotone der gleichen Altersgruppe. Betroffen waren 55 hypertone und 18 normotone von 2172 Probanden dieser Gruppe. Für die Probanden ab 65 lag das Risiko für Insulte nach Hypertoniediagnose im Schnitt um 39 Prozent höher (266 versus 181 von 4050 Probanden).

5,85-Fach erhöhtes Risiko für Schlaganfall

Den stärksten Risikoeffekt errechneten Wang und Kollegen bei den hämorrhagischen Schlaganfällen: Von solchen Insulten waren Probanden mit einer Hypertoniediagnose vor dem 45. Geburtstag 5,85-mal so oft betroffen wie Probanden, die keinen Hochdruck entwickelten. Die obere Grenze des Konfidenzintervalls erreichte dabei die Marke von 27,20. Ebenso gut war es freilich möglich, dass die Risikoerhöhung nur 26 Prozent betrug.

Insgesamt stellten die chinesischen Mediziner fest: Hypertonie ist mit einem höheren Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und einer höheren Mortalität assoziiert, und zwar umso mehr, je jünger die Patienten zum Diagnosezeitpunkt sind.

Quelle: ÄrzteZeitung, 21.06.2020