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30.06.2020

Interview: Schlaganfallvorbeugung bei Vorhofflimmern

Im Gespräch: Dr. Gunther Claus, Kardiologe am Asklepius Klinikum Melsungen

Herr Dr. Claus, warum sollen Menschen mit Vorhof immern einMedikament zur Hemmung der Blutgerinnung einnehmen?

Wir kennen den Effekt alle: Wenn Blut stehen bleibt, gerinnt es. Genau dies kann beim Vorhofflimmern im Herzen passieren. Dadurch, dass die Herzvorhöfe sich nicht mehr richtig kontrahieren, ist der Blut uss eingeschränkt und es kann zur Bildung eines Blutgerinnsels kommen. Dieses kann mit dem Blutstrom ins Gehirn gelangen und dort einen Schlaganfall auslösen. Deshalb verordnen wir beim Vorhofflimmern üblicherweise ein Medikament, das die Blutgerinnung hemmt.

Wie wichtig ist es, solche Medikamente regelmäßig einzunehmen?

Der Gerinnungshemmer hat eine vorbeugende Wirkung, er soll beim Vorhofflimmern vor einem Schlaganfall schützen. Diese Wirkung hat das Medikament nur, wenn es tatsächlich auch eingenommen wird. Menschen mit Vorhofflimmern, die das verordnete Medikament im Schrank liegen lassen statt es einzunehmen, nehmen zwangsläufig ein erhöhtes Schlaganfallrisiko in Kauf.

Bei der Verordnung eines Gerinnungshemmers droht ein höheres Blutungsrisiko. Wie geht man damit um?

Es liegt in der Natur der Sache, dass Gerinnungshemmer eine gewisse Erhöhung des Blutungsrisikos bedingen. Deshalb muss man selbstverständlich auf Blutungen achten. In aller Regel sind diese jedoch durch die üblichen Maßnahmen gut zu beherrschen. Wichtig aber ist, dass man für den Fall eines Unfalls einen Notfallpass mit sich trägt, damit herbeigerufene Rettungskräfte sofort wissen, dass man einen Gerinnungshemmer einnimmt.

Es ist schwierig, an die Einnahme von Medikamenten zu denken, wenn man keine Beschwerden hat. Was ist zu tun, wenn man solche Schwierigkeiten hat?

An die Einnahme zu denken, ist umso leichter, je einfacher die Behandlung ist. Wenn man zum Beispiel nur eine Tablette täglich nehmen muss, lässt sich dies gut ritualisieren, also zum Beispiel immer zusammen mit dem Frühstück erledigen. Wer Probleme mit der regelmäßigen Einnahme hat, sollte dies mit seinem Arzt besprechen.