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17.06.2020

KHK: Viel Bewegung kompensiert Risiken durch Koronarverkalkung

Kardiovaskuläre Krankheiten führen die Liste der Todesursachen älterer Erwachsener in Deutschland an. Eigentlich deutet das Ausmaß an Koronarkalk auf das klinische Risiko eines Patienten hin. Ob körperliche Aktivität das Mortalitätsrisiko bei älteren Patienten mit Kalkablagerungen in den Koronararterien beeinflussen kann, haben Alan Rozanski vom Mount Sinai St Luke’s Hospital, New York, und Kollegen untersucht. Hierzu wurde mittels Computertomografie(CT)-Scan bei 2318 Personen zwischen 65 und 84 Jahren das Ausmaß der Koronarverkalkung quantifiziert. Außerdem wurden die Studienteilnehmer zu ihren täglichen körperlichen Aktivitäten befragt. Dabei schätzten die Teilnehmer auf die Frage „Wie viel trainieren Sie?“ ihre Aktivität auf einer Skala von 1 bis 10 (0 = nie; 10 = immer) ein. Entsprechend ihrer Angaben wurden Gruppen gebildet (0–2: geringe, 3–7: mittlere und 8–10 hohe körperliche Aktivität). Endpunkt der Studie mit einer durchschnittlichen Beobachtungsdauer von 10,6 Jahren war die Gesamtmortalität.

Bei Studienteilnehmern, die über geringe körperliche Aktivität berichteten, wurden im Vergleich zu den beiden anderen Gruppen am häufigsten kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Hypertonie, Dyslipidämie und Diabetes festgestellt, hier fanden sich auch die meisten Raucher. Auch der Anteil adipöser Personen war mit 25,6% in der inaktiven Gruppe am größten. Der Kalzium (Coronary Artery Calcification, CAC)-Score erbrachte in allen drei Gruppen ähnliche Ergebnisse. Bei insgesamt 15,7–18,3% lag er bei 0, bei 10–11,4% bei über 1000.

Bewegung lohnt sich bei risikoreichen Scores

Mit 2,9% war die jährliche Mortalitätsrate in der inaktivsten Gruppe insgesamt signifikant höher als in der aktivsten Gruppe mit 1,7%/Jahr. Bei genauerer Betrachtung wurde das Bild allerdings bunter: Solange der CAC-Score unter 400 lag, waren kaum Unterschiede  bei der Sterblichkeit zwischen den drei Aktivitätsgruppen erkennbar. Bei Studienteilnehmern mit einem Score  400 allerdings verkürzte sich das Überleben mit abnehmender körperlicher Fitness. In der multivariablen adjustierten Analyse ähnelten sich die Sterberaten, solange der CAC-Score unter 100 blieb. Ab diesem Wert stieg das Mortalitätsrisiko jedoch an, wenn sich die körperliche Aktivität verringerte: bei Teilnehmern mit CAC-Scores zwischen 100 und 399 in der gering aktiven Gruppe auf das Doppelte gegenüber den Hochaktiven, bei Scores über 400 um das 2,4-Fache. Der Vorteil körperlicher Aktivität zeigte sich auch deutlich in den Mortalitätsrate pro 1000 Personenjahre: Hochaktive Personen mit CAC-Scores ≥ 400 erzielten ähnliche Werte wie Studienteilnehmer mit geringem Aktivitätslevel und Scores von 0–99.

Werte für Mortalitätsrisiko deutlich verringert

Die Befunde zeigten, so Rozanski und Kollegen, dass die einfache Frage nach der körperlichen Aktivität die Aussagekraft eines CAC-Scans zur Einschätzung des kardiovaskulären Risikos bei Älteren verbessern könne. So verringerten sich die Werte für das Mortalitätsrisiko älterer Patienten mit CAC-Scores ≥ 400 unter Berücksichtigung dieses Faktors deutlich.

Körperliche Aktivität als fünfter Vitalparameter sinnvoll

Den Studienergebnissen zufolge könne es sinnvoll sein, den Nutzen von Trainingsprogrammen für ältere Menschen mit erheblicher Arteriosklerose in klinischen Studien zu untersuchen. Zudem untermaueren die gewonnen Erkenntnisse Rozanski und Kollegen zufolge den schon früher von anderen Autoren vorgetragenen Vorschlag, die körperliche Aktivität als fünften Vitalparameter in die Patientendaten aufzunehmen.

Literatur: Rozanski A et al. Associations Among Self-reported Physical Activity, Coronary Artery Calcium Scores, and Mortality Risk in Older Adults. Mayo Clin Proc Inn Qual Out 2020;4(3):229-23

Quelle: Springer Medizin, 15.06.2020