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Zuhörer eines Seminars

03.06.2019

Kampf dem Herztod

DGK fordert nationale Initiative gegen den Herztod

Zur Eröffnung der diesjährigen DGK Jahrestagung in Mannheim findet DGK Präsident Prof. Hugo A. Katus deutliche Worte, indem er eine nationale gesundheitspolitische Strategie zur Vermeidung des Herztodes fordert. Dabei lobt er das Beispiel der, unlängst von der Bundesregierung ausgerufenen, „Dekade des Krebses“. Dem Lob folgte Kritik, Katus richtete seinen Vorwurf an die Politik: „Man hat das Herz vergessen.“ Er verwies auf die Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD von 2018, indem beim Thema der Gesundheitsfürsorge zwar von einer gezielten Bekämpfung von „Krebs, Demenz und psychischen Störungen“ die Rede sei, nicht aber von einer entsprechenden Initiative gegen kardiovaskuläre Erkrankungen.

Kardiovaskuläre Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland, daher kann sich Katus über diese Kurzsichtigkeit nur wundern. Nach seiner Einschätzung existiert ein krasses Missverhältnis zwischen der Bedeutung von Herzerkrankungen für die Bevölkerung und dem Willen der Politik, hier durch eigene Anstrengungen für Verbesserung zu sorgen.

Die besorgniserregenden Signale seien da, so Katus, mit dem Hinweis auf die Liste der häufigsten Todesursachen aus dem Jahr 2016. Hier führten die Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit 37,2%, deutlich vor den Krebserkrankungen mit 25,3%. In Zahlen ausgedrückt sterben jährlich rund 100.000 Menschen mehr an kardiovaskulären Erkrankungen als an Krebserkrankungen. Eine Wende sei hier, auch mit Blick auf dem europäischen Schnitt, nicht zu erkennen. Projektionen sehen sogar einen Anstieg voraus. Engverküpft sei damit auch die Sorge um die derzeitige Situation der Herzforschung, da in die Entwicklung von kardiovaskulär wirksamen Produkten tendenziell weniger investiert werde, wohin gegen in der onkologischen Forschung deutliche Zuwächse zu beobachten sind.

Die stiefmütterliche Förderung der Herzforschung von Bund und Ländern spiegele sich beispielsweise in der Tatsache, dass 2018 lediglich 7% der medizinischen Förderung der Helmholtz-Gesellschaft im Bereich Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen ausgegeben wurde. Auch bei der Forschungsförderung durch das European Research Council komme der Herzforschung lediglich mit einem Bruchteil dessen zugute, was für den Kampf gegen den Krebs ausgegeben werden. Auch gäbe es grundsätzliche Probleme, da die Kardiologie von kontinuierlichen Investitionen in teure Medizintechnik abhängig sei, diesem stehe eine ungenügende Gegenfinanzierung durch die Länder gegenüber. Katus beklagte die „hohe Reduktion der sachkostenanteiligen Vergütung in den Fallpauschalen ohne Kompensationsmöglichkeit“ und die Absenkung der Sachkostenvergütung durch Optimierungszwang. Die Investitionshemmnisse entstünden auch durch komplexe Regelungen bei der Einführung neuer Methoden.

„Wir brauchen dringend mehr Förderung fundierter Forschung und bessere Strukturen, um die Forschungsergebnisse in den klinischen Alltag zu transportieren.“ Ziel kann nur sein die Patienten mit Herzerkrankungen optimal nach neusten Erkenntnissen zu behandeln. Die DGK wolle „die Herzen der Politiker und aller Menschen in Deutschland dafür gewinnen“, eine Initiative zur konsequenteren Bekämpfung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu starten.