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11.05.2020

Kryptogener Schlaganfall - ein Ereignis ohne bekannte Ursache

Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen wie das Vorhofflimmern, Diabetes, Übergewicht, Rauchen – die Risikofaktoren für einen Schlaganfall sind gut bekannt. Aber es gibt auch den „kryptogenen Schlaganfall“, ein Ereignis also, dessen Ursache zunächst unklar ist. Nach einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) sind häufig Gerinnsel unbekannten Ursprungs die Auslöser.

Üblicherweise entsteht der Schlaganfall, auch Hirninfarkt genannt, durch den Verschluss eines Blutgefäßes im Gehirn. Der betroffene Gehirnbezirk wird dann gar nicht mehr oder nicht mehr ausreichend durchblutet. Der Grund kann eine Störung in den Blutgefäßen sein. Auch können Embolien, also kleine Blutgerinnsel, die sich anderenorts, wie etwa im Herzen, bilden, einen Schlaganfall auslösen, wenn sie mit dem Blutfluss ins Gehirngelangen. Das ist zum Beispiel bei einem Schlaganfall als Folge des Vorhoffimmerns der Fall.

Eine der häufigsten Ursachen für Schlaganfälle ist eine Arteriosklerose, also eine Gefäßverkalkung. „Ältere Menschen haben oft Gefäßerkrankungen durch Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht und Rauchen“, erklärt Professor Dr. Hans-Christoph Diener aus Essen. „Bei sogenannten kryptogenen Schlaganfällen ist die Ursache dagegen unbekannt. Sie machen 20 bis 30 Prozent der ischämischen Schlaganfälle aus und betreffen oft schon jüngere Menschen unter 55 bis 60 Jahren.“

Unter der Annahme, dass der Löwenanteil der „kryptogenen“ Schlaganfälle eine embolische Ursache hat, mit allerdings unbekanntem Ursprung des Embolus, wurde ein neuer Terminus eingeführt: Die Experten sprechen nun von ESUS („embolic stroke of undetermined source“), dem embolischen Schlaganfall ungeklärten Ursprungs. Bei Patienten mit ESUS kommt der Vorbeugung erneuter Schlaganfälle besondere Bedeutung zu. Dazu wurden sie bisher mit Acetylsalicylsäure (ASS), einem so genannten Thrombozytenaggregationshemmer, behandelt, also mit einem Wirkstoff, der die Verklumpung von Blutplättchen (Thrombozyten) hemmt. Die Mediziner hoffen, mit Gerinnungshemmern aus der Gruppe der sogenannten Nicht-Vitamin- K-abhängigen oralen Antikoagulanzien (NOAK) nach einem kryptogenen Schlaganfall einen noch besseren Schutz vor weiteren Schlaganfällen erreichen zu können. Dies wird nunmehr in klinischen Studien geprüft.