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20.01.2020

Plötzlicher Herztod – nur jeder siebte Patient mit KHK

Die KHK gilt als eine Hauptursache für den plötzlichen Herztod. In einer US-Registeranalyse hatten jedoch nur die wenigsten vor dem Tod eine KHK-Diagnose, dafür überproportional häufig kardiovaskuläre Risikofaktoren.

Nicht wenige Patienten sterben den plötzlichen Herztod, ohne dass bei ihnen zuvor eine KHK diagnostiziert wurde. Darauf deutet die Analyse eines US-Registers aus North Carolina, USA. Danach wiesen zwar fast alle an einem Herzstillstand Verstorbenen häufiger kardiovaskuläre Risikofaktoren auf als die Allgemeinbevölkerung, allerdings hatten Ärzte vor dem Tod nur bei rund 15% eine koronare Herzkrankheit diagnostiziert. Dafür, dass in früheren Analysen bei 60–80% der Personen mit plötzlichem Herztod eine KHK als Ursache vermutet wurde, sei die Häufigkeit von KHK-Diagnosen vor dem Herztod überraschend gering, berichten Ärzte um Dr. Golsa Joodi von der Universität in New Heaven, USA. Sie vermuten daher, dass die Bedeutung der KHK als Ursache für den plötzlichen Herztod sei in den vergangenen Jahren zurückgegangen.

Die Registeranalyse der Ärzte um Joodi basiert auf dem „Sudden unexpected death in North Carolina“ Register, kurz (SUDDEN). Berücksichtigt wurden 371 Berichte über einen plötzlichen Herztod zu Patienten im Alter von 18–64 Jahren, von denen Diagnosen, demografische Daten und kardiovaskuläre Risikofaktoren in den fünf Jahren vor dem Tod bekannt waren. Den Verstorbenen stellten die Ärzte eine Kontrollgruppe von 4218 Personen aus derselben Region gegenüber, adjustiert für Alter, Geschlecht und Ethnie. Diese Personen waren allesamt Patienten in einem Klinikverbund, für sie lag ein vergleichbarer Datensatz vor. Die Beteiligten waren im Schnitt 53 Jahre alt und zu zwei Dritteln weiß und männlich.

Eine KHK war bei 14,8% der Herztodpatienten bekannt, und zwar bei 10,4% im Alter unter und bei 18,8% im Alter über 55 Jahren. Von den Kontrollen hatten in den jeweiligen Altersgruppen nur 1,3% und 2,6% eine KHK-Diagnose erhalten. Die KHK-Rate bei Personen mit Herztod war somit rund achtfach höher.

Wurden nur herztote Männer betrachtet, so hatten immerhin 10,5% unter 55 Jahren und 22,3% über 55 Jahren eine KHK-Diagnose – das waren fünf- und dreimal so viele wie in der Kontrollgruppe (2,2 und 8,3%).

Herztote im Schnitt mit zwei Risikofaktoren

Deutliche Unterschiede zwischen Herztoten und Kontrollen gab es bei fast allen kardiovaskulären Risikofaktoren: Männer mit plötzlichen Herztod waren rund 60% häufiger Raucher, hatten dreieinhalbfach häufiger eine Hypertonie, dreifach häufiger einen Diabetes und fünffach häufiger eine Herzinsuffizienz als Männer in der Kontrollgruppe; für Frauen war die die Unterschiede sogar noch größer. Eine Ausnahme bildete lediglich die Adipositas: Unter den älteren Personen waren rund vier von zehn adipös – sowohl von den Herztoten als auch den Kontrollen, unter der Jüngeren trat eine Adipositas deutlich häufiger bei herztoten Personen auf, vor allem bei Frauen: Hier waren 58% betroffen, in der Kontrollgruppe nur 36%.

Immerhin knapp 24% der älteren Frauen mit plötzlichem Herztod hatten eine Herzinsuffizienz – das waren doppelt so viele wie mit KHK. In der Kontrollgruppe betrug der Anteil der Herzinsuffizienzpatienten unter Frauen hingegen nur 1,1%. Von den älteren Männern mit Herztod hatten 15,4% eine Herzinsuffizienz und 22,3% eine KHK. Für Frauen scheint eine Herzinsuffizienz damit relevanter als eine KHK zu sein, was das Risiko für einen plötzlichen Herztod betrifft.

Ein weiteres Ergebnis: Personen mit plötzlichem Herztod hatten im Schnitt zwei Atherosklerose-Risikofaktoren, solche aus der Kontrollgruppe nur einen.

Ein plötzlicher Herztod gefährde nicht primär KHK-Patienten, sondern solche mit kardiovaskulären Risikofaktoren. Diese sollten entsprechend therapeutisch angegangen werden, so die Schlussfolgerung der Forscher um Joodi.

Literatur: Joodi G et al. Coronary Artery Disease and Atherosclerotic Risk Factors in a Population-Based Study of Sudden Death. J Gen Intern Med 2019; https://doi.org/10.1007/s11606-019-05486-6

Quelle: Springer Medizin, 31.12.2019