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28.10.2020

Rheumatoide Arthritis: Entzündung in den Gelenken geht aufs Herz

Bei Rheumatoider Arthritis (RA) leiden nicht nur die Gelenke, sondern auch Herz und Gefäße. Die kardiovaskuläre Mortalität ist deutlich erhöht, so das Ergebnis einer Metaanalyse von 24 Studien.

Professor Joan Bathon, Direktorin der Abteilung für Rheumatologie am New York-Presbyterian Hospital der Columbia Universität, wies beim EULAR darauf hin, dass besonders das Risiko für Herzinsuffizienz und Herzinsuffizienz-assoziierte Mortalität bei RA erhöht ist, auch nach Adjustierung für eine KHK.

Dabei steigt das Risiko für eine nicht-ischämische Herzinsuffizienz bei RA früher als das Risiko für eine ischämische. Die Wahrscheinlichkeit für eine ischämische Herzinsuffizienz im ersten Jahr nach Manifestation der RA ist um das 1,5-fache und die für eine nicht-ischämische um das 2,06-fache erhöht.

Entzündung spielt möglicherweise eine zentrale Rolle

Wie wichtig es ist, bei Patienten mit RA auf die Entwicklung einer nicht-ischämischen Herzinsuffizienz zu achten, zeigt auch eine schwedische Studie (JACC 2017, 69: 1275-1285). Hier war zum Zeitpunkt der RA-Diagnose eine Herzinsuffizienz nicht häufiger als bei Vergleichspersonen.

Nach Manifestation der RA kam es allerdings zu einem rapiden Anstieg der nicht-ischämischen, nicht dagegen der ischämischen Herzinsuffizienz. Die nicht-ischämische Herzinsuffizienz trat dabei nicht nur früh auf, sondern war auch assoziiert mit dem Schweregrad der RA. Die Entzündung spielt bei diesen Prozessen laut Bathon möglicherweise eine zentrale Rolle.

Dass es bei RA vor Manifestation einer nicht-ischämischen Herzinsuffizienz zu zahlreichen subklinischen Veränderungen am Herzmuskel kommt, konnte die Kardiologin an einer Reihe von Untersuchungen zeigen. So lässt sich eine Myokarditis bei 18 bis 40 Prozent der RA-Patienten ohne bekannte Herzinsuffizienz nachweisen und korreliert mit der RA-Krankheitsaktivität.

Bei 30 Prozent der RA-Patienten ohne bekannte Herzinsuffizienz liegt eine mikrovaskuläre Dysfunktion vor, assoziiert mit höheren IL-6-Spiegeln und höherem linksventrikulärem Massenindex.

TARGET-Trial sucht nach Antworten

Wenn der entzündliche Prozess bei RA das Herz früh schädigen kann, stellt sich die Frage, ob antirheumatische Therapiestrategien eventuell auch einen günstigen Effekt auf das Herz haben und die vaskuläre und myokardiale Inflammation reduzieren können.

Nach einer Antwort sucht derzeit die TARGET-Trial, eine multizentrische, randomisierte klinische Studie, die die Wirkung verschiedener bei RA eingesetzter Therapien auf die kardiale Inflammation untersucht. 

Quelle: ÄrzteZeitung, 26.10.20