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02.07.2020

Risikofaktoren in Blick: Wenn Zucker aufs Herz schlägt

Herzprobleme sind bei Diabetikern weit verbreitet und beruhen im Wesentlichen auf fünf verschiedenen Ursachen. Als Erstes ist die linksventrikuläre Dysfunktion zu nennen, die bei Diabetikern infolge der häufigen Hypertonie immer wieder zu beobachten ist. Die Hypertonie ist ja bekanntlich Bestandteil des metabolisch-vaskulären Syndroms, und zwar zusammen mit viszeraler Adipositas, Blutfettstörung, gestörter Glukosetoleranz sowie vermehrter Thrombogenese.

Insulinmangel und Insulinresistenz sind wichtige Faktoren

Als weitere Ursachen für das diabetische Herz sind Faktoren anzusehen, die sich durch Insulinmangel und Insulinresistenz ergeben. Die schädlichen freien Fettsäuren sind erhöht. Durch Hyperglykämie kommt es zur Glykierung von Proteinen, was sich nachteilig auf die Herzfunktion auswirkt. Weiter kann beim diabetischen Herzen eine Mikroangiopathie vorliegen. Schottische Autoren hatten hier in heroischen Versuchen am Lebenden Biopsien durchgeführt, die diesen Sachverhalt widerspiegelten. An sich hätte es ja genügt, dass die Pathologen bei Betroffenen in tabula ebenfalls die Mikroangiopathie post mortem feststellen.

Koronare Herzkrankheit

Besonders bedeutsam ist natürlich die Makroangiopathie, die sich als koronare Herzerkrankung manifestiert. Die damit verbundenen häufigen Herzinfarkte zählen zu den Haupttodesursachen bei der Stoffwechselkrankheit. Bei Diabetikern unterscheiden sich die erkrankten Koronarien von denen betroffener Nichtdiabetiker: Es kommt bei zuckerkranken Patienten zur diffusen Verteilung der Plaques, während die Koronarerkrankung des Nichtdiabetikers sich zumeist mit isolierten Stenosen manifestiert. Bei der diffusen Plaqueverteilung ist natürlich die wünschenswerte Behandlung mit Stents erschwert. Eine solche Versorgung ist bei isolierten Stenosen natürlich einfacher.

Gute Stoffwechsel-Einstellung erreichen

Schließlich liegt beim diabetischen Herzen häufig eine autonome Neuropathie mit Rhythmusstörungen vor. In Kombination mit Hypoglykämien kann dies zu nächtlichen Todesfällen („dead in bed“) führen, ohne dass ein Infarkt vorliegt. Bei der Therapie Betroffener sollte man eine gute Stoffwechsel-Einstellung ohne Hypo- und Hyperglykämien anstreben. In den großen Studien ACCORD, ADVANCE und VADT war ja gezeigt worden, dass Hypoglykämien in der Anamnese ein wichtiger Faktor für spätere Herzinfarkte sind. So kam es zum Beispiel in der VADT-Studie bei Patienten, die schwere Hypoglykämien mit Fremdhilfebedarf in der Vorgeschichte hatten, viermal häufiger zum Infarkt als bei Patienten ohne solche Unterzuckerungen.

Kontinuierliche Glukosemessung essentiell

Zwischen HbA1c-Wert und Mortalität besteht dabei ein U-förmiger Zusammenhang. Die damit verbundene Glukosevariabilität mit sehr hohen und sehr niedrigen Werten kann man allerdings mit dem HbA1c nicht erfassen. Weil beim selben Patienten gleichzeitig Hypo- und Hyperglykämien auftreten, normalisiert sich der HbA1c-Wert scheinbar. In der Diagnostik hat sich die sensorbasierte kontinuierliche Glukosemessung (CGM) bewährt. Damit lässt sich die Glukosekurve im täglichen Verlauf gut abbilden. Blutige Zuckermessungen können vermieden werden. Der HbA1c als Parameter für die Qualität der Stoffwechseleinstellung wird dabei zunehmend abgelöst durch die sogenannte „time in range“ (TIR), also der Anteil der täglichen Zeit im Blutzuckerzielbereich von 70 bis 180 mg/dl. Angestrebt wird hier eine TIR von mindestens 70 Prozent.

Risikofaktoren konsequent behandeln


Quelle: ÄrzteZeitung, 28.06.2020