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04.08.2020

Risikogruppe junge Diabetiker - So hoch ist ihr Risiko für plötzlichen Herztod

Junge Diabetes-Patienten sterben nicht selten an einem plötzlichen Herzstillstand. Und das Risiko ist offenbar deutlich höher als bisher angenommen, wie eine große dänische Registerstudie nun deutlich macht (Eur Heart J 2020; 41(28):2699-2706). Demzufolge weisen Diabetiker in einem Alter von 1 bis 35 Jahren ein mehr als achtfach höheres Risiko für einen plötzlichen Herztod auf als gleichaltrige Personen, die keinen Diabetes haben. Frühere Studien bezifferten das Risiko auf das Zwei- bis Vierfache.

Die lebensbedrohliche Komplikation stellt damit die häufigste Todesursache für jüngere Diabetiker dar. In dieser Studie war ein plötzlicher Herztod für fast jeden fünften Todesfall verantwortlich (17,6 Prozent).

Absolut betrachtet ist das Herztod-Risiko für jüngere Diabetiker aber deutlich geringer als für Patienten in einem höheren Alter: So kam es in der Studie bei den 1- bis 35-jährigen Diabetikern in 21,9 Fällen pro 100.000 Personenjahre zu einem solchen lebensbedrohlichem Ereignis (im Vergleich zu 2,6 Fällen/100.000 Personenjahren bei gesunden Gleichaltrigen).

Bei den 36- bis 49-jährigen Diabetikern lag die Inzidenz mit 119,8 Fällen pro 100.000 Personenjahre deutlich höher. Im höheren Alter steigt das Risiko allerdings auch in der Allgemeinbevölkerung an (19,7 Fälle/100.000 Personenjahre). Sprich, die relative Risikoerhöhung für Diabetiker im Vergleich zu Nicht-Diabetiker ist im jüngeren Alter größer, weil junge gesunde Menschen ohne Diabetes eben selten einen plötzlichen Herztod erleiden.

Todesursache Nummer 1 für Typ-2-Diabetiker

Differenziert nach Diabetes-Typ zeigt sich, dass der plötzliche Herztod bei Patienten mit einem Typ-2-Diabetes die häufigste Todesursache darstellt (knapp 25 Prozent aller Todesfälle), nicht aber bei Typ-1-Diabetikern, die meist an endokrinen Störungen (17 Prozent) oder anderen kardiovaskulären Komplikationen (17 Prozent) gestorben sind.

Wie lässt sich das hohe Herztod-Risiko für Diabetiker erklären? Wurde obduziert – was allerdings nur bei einem Drittel gemacht wurde – stellten die Ärzte als häufigste Herztod-Ursache eine koronare Herzerkrankung fest (bei 47 Prozent), gefolgt vom sogenannten „Sudden Arrhythmic Death“-Syndrom (26 Prozent) und einer hypertrophen Herzkrankheit (elf Prozent).

Auf der Suche nach Auslösern

„Die kardiovaskuläre Mortalität bei Personen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes ist oft durch eine fortschreitende Atherosklerose, ischämische Herzerkrankungen und Herzinsuffizienz bedingt, was alles wichtige Risikofaktoren für einen plötzlichen Herztod sind“, erläutern Dr. Thomas Hadberg Lynge und Kollegen von der Universitätsklinik Kopenhagen eine mögliche Genese.

Die Studienautoren könnten sich aber auch vorstellen, dass in einigen Fällen akute Stoffwechselstörungen wie schwere diabetische Ketoazidose, Hypoglykämie und/oder Störungen des Kaliumhaushaltes der Auslöser waren. Nicht zu vergessen: Die kardiale autonome diabetische Neuropathie, die in vielen Studien mit einem erhöhten Herztod-Risiko einherging.

Eine Erwähnung der Studienautoren lässt einen weiteren Verdacht aufkommen: Bei vielen Fällen hätten die Betroffenen vor ihrem Tod proarrhythmische Medikamente verschrieben bekommen, berichten Hadberg Lynge und Kollegen. Eine ähnliche Beobachtung wurde bereits in einer früheren Studie, ebenfalls aus Dänemark, gemacht.

Auch hier hatten viele Patienten vor ihrem unerklärlichen Tod verschreibungspflichtige Medikamente eingenommen. Es könnte also sein, dass in bestimmten Fällen eine Medikamenten-induzierte Arrhythmie Auslöser des plötzlichen Herztodes war.

Für wahrscheinlich halten es die dänischen Kardiologen zudem, dass einige der gestorbenen Diabetes-Patienten an einer angeborenen Herzerkrankung litten.

Wie sind Diabetiker künftig besser zu schützen?

Wie könnte man Menschen mit Diabetes in Zukunft besser schützen? Eine Lösung wäre, das kardiovaskuläre Risikomonitoring und entsprechende Untersuchungen bei jungen Diabetes-Patienten auszuweiten, wofür die dänischen Kardiologen plädieren.

Unzureichend ist ihrer Ansicht nach die geringe Rate an vorgenommenen Autopsien. Wenn jüngere Menschen einen plötzlichen Herzstillstand erleiden oder unerwartet sterben, sollte in allen Fällen eine Obduktion vorgenommen werden, fordern sie.

Die geringe Autopsie-Rate ist eine entscheidende Limitation der Studie. Denn bei den Todesfällen, die nicht obduziert worden sind, ist es fraglich, ob es sich um einen plötzlichen Herztod im eigentlichen Sinne handelte. So hat eine frühere Studie ergeben, dass bei unerwarteten Todesfällen nicht selten fälschlicherweise zunächst von einem plötzlichen Herztod ausgegangen wird, in der Obduktion sich dann aber eine andere Todesursache fand.

Insgesamt wurden in der aktuellen Registerstudie 14.294 Todesfälle von Menschen in einem Alter zwischen 1 und 49 Jahren, die zwischen 2000 und 2009 in Dänemark registriert worden sind, analysiert. 1.363 dieser Fälle waren laut Totenschein auf einen plötzlichen Herztod zurückzuführen, neun Prozent der Betroffenen litten an einem Diabetes.

Quelle: ÄrzteZeitung, 3.8.2020