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23.09.2020

Schwerpunkt KHK: Intervalltraining bewährt sich bei Reha-Patienten

Mithilfe individuell zugeschnittener Trainingsinterventionen soll in der kardiologischen Rehabilitation darauf hingearbeitet werden, den Verlauf von Erkrankungen wie Herzinsuffizienz oder KHK bezüglich Lebensqualität wie auch Lebenserwartung zu verbessern. Diesem Ziel dient die Verbesserung von körperlicher Leistungsfähigkeit und Belastungstoleranz durch Steigerung der kardiorespiratorischen Fitness. Als Indikator für die kardiorespiratorische Leistungsfähigkeit ist die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2 max) bei Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen von prognostischer Bedeutung hinsichtlich Morbidität und Mortalität. 

Nachdem ein moderates aerobes Ausdauertraining (MCT: moderate-intensity continuous training) längst in allen nationalen und internationalen Leitlinien als  Standard empfohlen wird, stehen seit einiger Zeit andere Trainingsmodalitäten wie das hochintensive Intervalltraining (HIIT: high-intensity intervall training) im Blickpunkt der Forschung.

Vergleich in der FITR Heart Study

US-Untersucher um Dr. Jenna L. Taylor von der Abteilung für Kardiovaskuläre Medizin an der Mayo Clinic  in Rochester haben jetzt beide Trainingsformen in einer randomisierten Single-Center-Studie (FITR Heart Study) bei 93 randomisierten Patienten (mittleres Alter: 65 Jahre) mit angiografisch dokumentierter koronarer Herzerkrankung verglichen.

Nach Zufallszuteilung zur Gruppe mit hochintensivem Intervalltraining absolvierten die 46 Teilnehmer an drei Tagen pro Woche ein HIIT-Programm (zwei überwachte Einheiten, die dritte zuhause) gemäß dem 4x4-Minuten-Protokoll für die Dauer von vier Wochen. Bei den 47 Patienten der Gruppe mit MCT bestanden die Trainingseinheiten jeweils  aus moderater Dauerbelastung über 40 Minuten. Alle Teilnehmer wurden angehalten, das Training danach in der vorgeschriebenen Form zuhause für weitere elf Monate fortzusetzen.

HIIT-Programm nur auf kurze Sicht signifikant besser

Primärer Endpunkt war die Veränderung von  VO2 max nach vier Wochen in Relation zum Ausgangswert. Zu diesem Zeitpunkt war

  • in der Gruppe mit HIIT bezüglich dieses Parameters eine Verbesserung um 10% zu verzeichnen, im Vergleich zu 4% in der Gruppe mit MCT (2,9 ml/kg/min vs. 1,2 ml/kg/min, p=0,02).
  • Nach zwölf Monaten waren die Verbesserungen von VO2 max dagegen mit 10% (HIIT) und 7% (MCT) annähernd gleich und nicht signifikant unterschiedlich (2,9 ml/kg/min vs. 1,8 ml/kg/min, p=0,30).

Beide Trainingsprogramme erwiesen sich als sicher. In keiner der beiden Gruppen bestand ein Zusammenhang zwischen Trainingsform und schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignissen. Die graduelle Umsetzung der Trainingsvorgaben (exercise adherence) durch die Teilnehmer war in den ersten vor Wochen mit jeweils 91% in beiden Gruppen hoch. In der Phase des Trainings unter häuslichen Bedingungen  verringerte sich die entsprechende Adhärenzrate dann aber auf nur noch 53% (HIIT) und 41% (MCT) nach einem Jahr.

Stellenwert des Intervalltrainings gestützt

Die Untersucher stellten zudem fest, dass nicht wenige Teilnehmer von der vorgegebenen Trainingsintensität abgewichen waren. So hatten 38% aller Teilnehmer am MCT-Programm eine höhere und 24% aller Teilnehmer am HIIT-Programm eine geringere Trainingsintensität als vorgesehen an den Tag gelegt.

In einer nur auf Patienten mit adäquater Trainingsadhärenz und –intensität beschränkten Analyse  offenbarte sich dann eine Überlegenheit des Intervalltraining: In der HIIT-Gruppe betrug die Verbesserung von VO2 max in diesem Fall 18% nach einem Jahr, verglichen mit 8% in der MCT-Gruppe (p=0,02). Nach Ansicht der Studienautoren stützen diese Ergebnisse der Stellenwert eines Intervalltrainings im Rahmen der kardialen Rehabilitation als Ergänzung oder Alternative zum klassischen Ausdauertraining.

Literatur: Taylor J.L. et al.: Short-term and Long-term Feasibility, Safety, and Efficacy of High-Intensity Interval Training in Cardiac Rehabilitation The FITR Heart Study Randomized Clinical Trial. JAMA Cardiol. 2020. Online 2. September. doi:10.1001/jamacardio.2020.3511

Quelle: Kardiologie.org, 14.09.2020