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30.04.2020

Statement des 1. Vorsitzenden Dr. Volker Gerhard Leonhardt des Kardionetzwerk e.V. zum Sonder-Newsletter Telemedizin

Seit 2017 leite ich als Vorsitzender das Kardionetzwerk und bin stolz auf das Wachsen und Werden unseres gemeinnützigen Vereins. Wir blicken auf viele erfolgreiche Veranstaltungen im und außerhalb des Allianz-Forums zurück und hatten auch in diesem Jahr wieder spannende Treffen geplant. Aber auch uns hat die Corona-Krise diesbezüglich einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Zusammenkünfte sind aktuell und wohl auch noch für eine längere Zeit nicht mehr möglich. 

Umso wichtiger ist unsere Entscheidung gewesen, eine neue, lebendige und interaktive Webseite zu gestalten und uns eng mit den sozialen Medien zu vernetzen. So sind wir in der Lage, schnell und effektiv mit allen Patienten, Mitgliedern und Interessenten des Kardionetzwerks zu kommunizieren. Und der Bedarf an Kommunikation ist gerade in Zeiten der Kontaktsperre immens. Deshalb bin ich meiner Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Jill Leciewski, sehr dankbar, dass sie aus dem Home Office heraus alle kommunikativen Fäden in der Hand hält und online ein lebendiges Vereinsleben gestaltet. Dazu gehört auch die Erstellung von Newslettern. Wir haben als aktuelles Thema dafür die gerade in der Corona-Krise immer wichtiger werdende Telemedizin gewählt. 

Mein Platz als Ärztlicher Leiter des HIZ BERLIN in der Corona-Krise ist unser Herzschrittmacher- und ICD-Zentrum in der Wisbyer Straße. Hier betreuen wir ca. 7.500 Patienten mit Herzschrittmachern (HSM), implantierbaren Cardiovertern/Defibrillatoren (ICD), Systemen zur cardialen Resynchronisation (CRT) und implantierten EKG-Ereignisrekordern (Loop). Fast alle unsere Patienten gehören vom Alter und den Vorerkrankungen den Hochrisikogruppen für eine Corona-Infektion an. Deshalb versuchen wir, die Abstandsregeln auch in unserem Zentrum einzuhalten und den Aufenthalt unserer Patienten so kurz wie möglich zu gestalten. Selbstverständlich gelingt das in einer medizinischen Einrichtung durch die Untersuchungen mit engem Patientenkontakt nicht wirklich, sodass die Sorge um die Gesundheit unserer Patienten groß ist. Denn wir alle wissen: Gegen Corona hilft nur Abstand halten!

Aus diesem Grund wird unsere Zentrale für Telemedizin gerade in diesen Zeiten immer wichtiger. Bereits 2008 gegründet, betreuen wir hier schon über 1.200 unserer Patienten telemedizinisch. Insgesamt 5 Mitarbeiter arbeiten in unserer Telemedizin-Zentrale und sichten 365 Tage im Jahr alle Übertragungen, die uns aus den HSM, ICD, CRT und Loop-Rekordern online erreichen. So haben wir unsere Patienten und deren implantierte Geräte jederzeit im Blick und können bei Erfordernis gezielt reagieren. Was aber in der aktuellen Corona-Situation fast noch wichtiger ist: Wir können dadurch die Routine-Nachsorgen in unserem Zentrum verschieben, ohne die Sicherheit unserer Patienten zu gefährden. Also maximale Sicherheit unserer Patienten bei größtmöglichem Schutz vor Ansteckung mit COVID-19! Durch die täglichen telemedizinischen Übertragungen wissen wir genau über den Zustand unserer Patienten und deren HSM, ICD, CRT, und Loop-Rekorder Bescheid und können die Nachsorgen in unserem Zentrum individuell planen und an die Erfordernisse anpassen. 

Auch Aggregatwechsel bei  Batterieerschöpfung lassen sich mit der Telemedizin optimal planen und bei Notwendigkeit der Verschiebung des OP-Termins durch eingeschränkte OP-Kapazitäten während der Corona-Epidemie sicher und ohne Gefahr für die Patienten terminieren. So gelingt es uns, die notwendigen Kapazitäten der Krankenhäuser für die Bewältigung der Corona-Krise aufrecht zu erhalten und alle Operationen bei unseren Patienten zum optimalen Zeitpunkt uneingeschränkt zu gewährleisten.

Leider wird die telemedizinische Nachsorge in Deutschland bisher nur für die ICD- und CRT-Patienten vergütet, doch gerade für die besondere Situation der Corona-Krise haben sich die amerikanischen und europäischen kardiologischen Gesellschaften übereinstimmend für den Einsatz der Telemedizin auch bei der zahlenmäßig viel größeren und älteren Gruppe der Herzschrittmacher-Patienten ausgesprochen. Diesen Empfehlungen ist bereits die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Sachsen-Anhalt gefolgt und wird die telemedizinische Nachsorge auch bei Herzschrittmachern flächendeckend vergüten. Es bleibt zu hoffen, dass die anderen KVen rasch diesem Beispiel folgen, damit möglichst viele unserer Device-Patienten in der Zeit der Corona-Pandemie eine sichere Betreuung ihres Gerätes ohne Infektionsrisiko in der Praxis erhalten.

Ich bitte Sie deshalb alle herzlich, diese Initiative zu unterstützen.

Mit telemedizinischen Grüßen! 

UND BLEIBEN SIE GESUND!

Ihr Dr. Volker Gerhard Leonhardt