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Zuhörer eines Seminars

25.07.2019

Neue Studie empfiehlt: 800 Kliniken schließen - für eine bessere medizinische Versorgung

Die Studie „Zukunftsfähige Krankenhausversorgung“ des IGES-Instituts im Auftrag der Bertelsmann Stiftung empfiehlt die Schließung von mehr als der Hälfte aller Kliniken. Das würde zu einer besseren medizinischen Versorgung der Patienten führen und bestehende Engpässe bei Ärzten und Pflegepersonal mildern, meint die Stiftung.

„Viele Komplikationen und Todesfälle ließen sich durch eine Konzentration auf deutlich unter 600 statt heute knapp 1.400 Kliniken vermeiden“, teilt die Bertelsmann Stiftung mit. Viele Häuser seien zu klein und verfügten nicht über die notwendige Ausstattung oder Erfahrung. Ebenso ginge mit der Kürzung eine höhere Spezialisierung sowie eine bessere Betreuung einher. Eine primäre Orientierung an Fahrzeiten gehe in die falsche Richtung, glaubt Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. „Wenn ein Schlaganfallpatient die nächstgelegene Klinik nach 30 Minuten erreicht, dort aber keinen entsprechend qualifizierten Arzt und nicht die medizinisch notwendige Fachabteilung vorfindet, wäre er sicher lieber ein paar Minuten länger zu einer gut ausgestatteten Klinik gefahren worden.“

IGES und Bertelsmann Stiftung propagierten „die Zerstörung von sozialer Infrastruktur“, kritisiert Dr. Gerald Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft. „Was wir benötigen, ist eine aktive Krankenhausplanung, die regionale Besonderheiten ins Auge fasst, Parallelstrukturen abbaut, aber gleichzeitig auch gegen Unterversorgung vorgeht“, fordert er.

Bundesärztekammerpräsident Dr. Klaus Reinhardt meint: „Gerade im ländlichen Raum müssen wir die flächendeckende Versorgung der Patienten sicherstellen.“ Er plädiert für eine Stärkung der sektorenübergreifende Versorgung – wie auch Rudolf Henke, Vorsitzender des Marburger Bundes. „Planungsentscheidungen werden in den Ländern getroffen und nicht am grünen Tisch der Bertelsmann Stiftung.“, so Henke. FDP-Gesundheitspolitiker Prof. Andrew Ullmann dagegen begrüßt die Studie. „Sie zeigt klar, dass wir eine grundlegende Strukturreform im Gesundheitswesen brauchen. Nur auf diesem Weg können wir den unsäglichen Dreiklang von Über-, Unter- und Fehlversorgung zerschlagen.“

Die ausführliche Studie zum Nachlesen finden Sie hier