Kardionetzwerk e.V. - Logo
Zuhörer eines Seminars

12.4.2019

Von Patient zu Patient mit Jürgen Langemeyer vom Schlaganfall-Ring

„Die Ursachenklärung ist einer der wichtigsten Ansatzpunkte für eine erfolgreiche Therapie.“

Jürgen Langemeyer hat vor 12 Jahren einen Schlaganfall erlitten und im Jahr 2014 den Schlaganfall-Ring gegründet. Lesen Sie, warum er sich für Patienten mit Schlaganfall und ihre Angehörigen engagiert.

Wie kam es dazu, dass Sie den Schlaganfall-Ring gegründet haben? Ich habe selbst einen Schlaganfall erlitten und kenne daher die Herausforderungen, die auf Patienten zukommen. Die medizinische Versorgung ist aktuell sehr gut, von Stroke Units (spezialisierte Schlaganfall-Abteilung) über neue medikamentöse Therapien bis hin zur Reha ist man sicher aufgehoben. Doch sobald man das klinische Umfeld verlassen hat, muss man sich selbst kümmern. An diesem Punkt benötigen vor allem Angehörige und die Familie Rat und Hilfe im Umgang mit der Erkrankung. Ich hätte mir nach meinem Schlaganfall selbst gewünscht, solche Hilfe zu erfahren. Aus diesem Grund habe ich gemeinsam mit anderen Betroffenen den Schlaganfall-Ring gegründet. Darin teilen wir unsere eigenen Erfahrungen und können mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Wie sieht Ihre Arbeit in dem Verein aus? Unsere Arbeit besteht vor allem aus der Beratung. Während jeder Phase der Erkrankung unterstützen wir Betroffene und Angehörige individuell und umfassend zu allen wichtigen Fragen rund um das Thema Schlaganfall.

Hierfür bieten wir landesweite Beratungssprechstunden sowie eine Telefon-Hotline. Außerdem haben wir den Schlaganfall-Wegweiser als zentrales Informationsportal ins Leben gerufen. Er enthält permanent aktualisierte Informationen über möglichst alle Angebote für Schlaganfall-Patienten und Angehörige. Eine weitere Aufgabe des Vereins ist die Förderung der Schlaganfall-Selbsthilfe durch die aktive Unterstützung aller Schlaganfall-Selbsthilfegruppen in Hamburg und Schleswig-Holstein als Landesverband.

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen in der Versorgung von Schlaganfall-Patienten? Die Herausforderungen liegen derzeit nicht mehr ausschließlich im medizinischen Umfeld. Für uns ist die „Ressourcen-Aktivierung“ von Patienten und Angehörigen nach der klinischen Akutversorgung die wichtigste Aufgabe. Das Wiedererlernen von motorischen und sprachlichen Fähigkeiten ist die eine Seite – das richtige Umfeld dafür zu finden, also Mediziner, Therapeuten, Beratungsstellen und die bestmögliche Versorgung zu erhalten, das ist die andere Seite. Dabei unterstützen wir die Angehörigen und Patienten, damit sie sich in unserem Gesundheitssystem optimal zu recht finden.

Bei vielen Schlaganfall-Patienten, bei denen keine Ursache gefunden werden konnte, wird Vorhofflimmern vermutet als Auslöser. Wo sehen Sie Ansatzpunkte, um diesen Patienten zu helfen? Dank der umfassenden, sehr guten Akutversorgung im Krankenhaus bleiben deutlich weniger langfristige neurologische Schäden, doch nach den Ursachen für einen Schlaganfall wird nicht immer gründlich gesucht. Die Ursachenklärung ist einer der wichtigsten Ansatzpunkte für eine erfolgreiche Therapie. Wir vom Schlaganfall-Ring vermitteln diesen Patienten Informationen und Anlaufstellen zu Spezialisten, um eine Zweitmeinung einholen zu können. Denn die Diagnostikmöglichkeiten sind umfangreich und Experten auf dem Gebiet äußerst kompetent. Das Langzeit-Monitoring mit Hilfe eines implantierbaren Looprekorders scheint große Chancen bei der frühzeitigen Erkennung von Vorhofflimmern zu bieten. An dieser Stelle sollten Kardiologen und Neurologen noch stärker zusammenarbeiten.

Sie möchten mehr erfahren zum Schlaganfall-Ring? www.schlaganfall-ring.de