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31.03.2020

Vorhofflimmern: Mehr Protein kann Frauen schützen

Frauen, die etwas mehr als die empfohlene Tagesmenge an Proteinen zu sich nehmen, entwickelten offenbar signifikant seltener ein Vorhofflimmern. Das hat eine Studie ergeben, deren Ergebnisse anlässlich der Annual Scientific Session des American College of Cardiology zusammen mit dem World Congress of Cardiology vorgestellt wurden. 

Protein gilt insbesondere bei älteren Frauen als wichtiger Bestandteil der Ernährung, da es dazu beitragen kann, Gebrechlichkeit und den Verlust von Knochen- und Muskelmasse zu verhindern. Dies ist besonders bei Frauen im höheren Alter von Bedeutung, da sie pro Jahr gut 200 g an fettfreier Körpermasse verlieren können. Aktuelle US-amerikanische Leitlinien empfehlen den Konsum von 0,8 g Protein pro kg Körpergewicht, was für eine Person von gut 63 kg etwa 51 g pro Tag entspricht. In Großbritannien wird 0,75 g Protein pro kg täglich eine noch geringere Menge empfohlen.

„Bei Frauen, die am wenigsten Protein aufnahmen – die in etwa der derzeit in den USA empfohlenen täglichen Proteinmenge entsprach – war die AFib-Inzidenz am höchsten. Eine nur geringe Menge mehr erwies sich als protektiv – selbst unter Berücksichtigung anderer Faktoren, die für Vorhofflimmern prädisponieren“, erklärt Dr. Daniel Gerber von der Stanford University. „Dieser modifizierbare Risikofaktor für Vorhofflimmern kann für Frauen eine relativ einfache Möglichkeit sein, ihr Risiko potenziell zu senken.“

Die Analyse von mehr als 99.000 postmenopausalen Frauen (Durchschnittsalter 64 Jahre) aus der Women’s Health Initiative Randomized Controlled Trials and Observational Study ergab, dass diejenigen, die 58-74 Gramm Protein pro Tag zu sich nahmen, eine um fünf bis acht Prozent geringere Wahrscheinlichkeit für Vorhofflimmern hatten. Bei einer Menge über 74 g allerdings schien es zu einem Deckeneffekt zu kommen. An diesem Punkt war der Nutzen statistisch nicht mehr signifikant. 

Um wie viel mehr Protein geht es also?

„Nicht viel“, sagt Gerber: „Es ist keine große Menge. Wir sprechen davon, 10 bis 20 g mehr Protein pro Tag zu essen – das sind nur 113 g [4 Unzen] gesundes Protein wie Hühnerbrust oder Lachs, eine Tasse griechischen Joghurt oder zwei Eier“, rechnet Gerber vor. „Wenn wir über die Erhöhung der Proteinaufnahme sprechen, muss dies natürlich mit herzgesunden Lebensmitteln und mageren Proteinen geschehen, nicht mit Cheeseburgern und anderen Lebensmitteln, die reich an gesättigten Fettsäuren, Cholesterin und Zucker sind.“

Interessanterweise unterschätzten Frauen in der Regel ihre tägliche Proteinaufnahme um etwa 10 g und die Kalorienaufnahme um 600 bis 700 cal, was auf die Notwendigkeit eines stärkeren Bewusstseins die Ernährung betreffend sowie einer besseren Aufklärung hinweise, so die Forscher. 

„Basierend auf unseren Erkenntnissen scheint es, dass die Aufnahme von mehr Protein nicht nur dazu beiträgt, Frauen körperlich zu stärken, sondern auch kardiovaskuläre Vorteile in Bezug auf die Reduzierung von AFib und damit verbundenen Todesfällen, Schlaganfällen und Herzinsuffizienz hat“, unterstreicht Gerber. „Ungefähr ein Prozent der US-Bevölkerung leidet an Vorhofflimmern, und angesichts der immer älter werdenden Bevölkerung wird bis zum Jahr 2050 ein Anstieg um ein Vielfaches prognostiziert. Jeden Tag nur ein paar Gramm Protein zu sich nehmen, kann also in der gesamten Bevölkerung möglicherweise enorme Auswirkungen haben.“

Quelle: Biermann Medizin, 24.03.2020