ICD-System Medizintechnologien

Der implantierbare Cardioverter-Defibrillator (ICD) ist ein kleines Gerät zur Erkennung und Behandlung von schnellen, lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen (Kammertachykardien, Kammerflimmern), das dem Patienten unter die Haut oder unter den Brustmuskel eingesetzt wird.

ICD
ICD

Der ICD ist etwa so groß wie eine Streichholzschachtel und verfügt über eine oder zwei Elektroden, die das Gehäuse mit dem Herzen verbinden. Der ICD erkennt gefährliche, zu schnelle Herzrhythmusstörungen und beendet sie durch elektrische Stimulation (antitachykardes Pacing) oder einen „Schock“ (Defibrillation).

Ebenso wie ein Herzschrittmacher verbleibt der Defibrillator im Körper. Die Batterielaufzeit beträgt je nach Funktion und Abgabe von Schocks bis zu zehn Jahre. Mindestens einmal im Jahr sollte eine persönliche Nachsorge beim Arzt erfolgen. Die übrigen vierteljährlich vorgeschriebenen Kontrollen können auch telemedizinisch erfolgen.

Einsatzgebiete eines ICDs

Implantierbare Cardioverter-Defibrillatoren (ICD) werden bei Patienten eingesetzt, die einen plötzlichen Herztod wegen Kammerflimmerns überlebt haben oder einen sehr schnellen Puls direkt aus der Hauptkammer heraus aufweisen. Häufig werden ICD-Systeme mittlerweile auch zur Vorsorge bei Patienten eingesetzt, die ein hohes Risiko für das Auftreten dieser Herzrhythmusstörungen zeigen.

Auch Patienten, die eine deutlich eingeschränkte Herzpumpfunktion (EF < 30 %) haben, wird oft ein ICD empfohlen, da diese Patienten ein erhöhtes Risiko für gefährliche Herzrhythmusstörungen haben.

Funktionsweise und Aufbau eines ICD

Das Beenden schneller Herzrhythmusstörungen erfordert eine beachtliche und deutlich höhere Energieleistung (Stromabgabe) als die Stimulation des Herzens durch einen Herzschrittmacher. Deshalb benötigt der ICD auch eine sehr viel kräftigere Batterie. Die Batterie nimmt folglich den größten Platz im Implantat ein.

Die Elektroden bestehen aus Edelmetalldrähten wie Silber, Platin oder auch Iridium und sind mit gewebefreundlichem Silikon oder Polyurethan isoliert. An den Enden der Elektroden befinden sich feine Sensoren, die die Signale des Herzens an den ICD weiterleiten und umgekehrt vom ICD zurück zum Herzen. Um wirklich starke Stromimpulse an das Herz abgeben zu können, ist eine spezielle Defibrillationselektrode erforderlich, die in der rechten Herzkammer verankert wird. Über die Elektrode in der Kammer kann jede Unregelmäßigkeit des Herzrhythmus wahrgenommen und mit Hilfe elektrischer Impulse therapiert werden.

Der ICD analysiert jeden einzelnen Herzschlag und den zeitlichen Abstand zu den vorherigen und nachfolgenden Schlägen. Aufgrund einer patientenspezifischen Programmierung kann der ICD eine Kammertachykardie oder ein Kammerflimmern erkennen und entsprechend behandeln. Neben der Schockfunktion verfügt der ICD auch über die Möglichkeit der sog. antitachykarden Stimulation (ATP, antitachycardia pacing) – hierbei kann ein schneller Herzschlag durch eine Überstimulation schmerzlos beendet werden. Bei Bradykardien funktioniert der ICD wie ein konventioneller Herzschrittmacher.

Der ICD speichert alle aufgetretenen Herzrhythmusstörungen, so dass sie später über ein Programmiergerät abgerufen und genau analysiert werden können. Dies hilft dem nachkontrollierenden Arzt, die Programmierung des ICD sowie die medikamentöse Begleittherapie optimal den Bedürfnissen des Patienten anpassen zu können.

Implantation

Wie bei einem Herzschrittmacher stellt die Implantation eines Defibrillators (ICD) heute einen Routineeingriff dar. Die Komplikationsrate ist mit 1–2 % sehr gering. Früher fanden die Operationen unter Vollnarkose statt, heute wird der Eingriff meist ambulant bei örtlicher Betäubung durchgeführt. Das Einsetzen des ICDs dauert in der Regel eine gute Stunde.

Im Bereich des linken Brustmuskels wird hierfür ein etwa 6-8 Zentimeter langer Schnitt angelegt und eine Vene aufgesucht, über welche die Sonden in die rechte Kammer und allenfalls in den rechten Vorhof geschoben werden. Dann werden die Sonden am Brustmuskel fixiert und an das Gerät angeschlossen. Der ICD wird entweder unter die Haut (subkutan) oder unter den Brustmuskel (subpektoral) eingesetzt. Der Arzt kann während der Implantation Messungen vornehmen, um die einwandfreie Funktion des Gerätes und der Sonden festzustellen. Zuletzt wird der Hautschnitt wieder schichtweise verschlossen. Nach der Operation wird mit einem Röntgenbild die korrekte Lage der Sonden und des ICDs dokumentiert. Am Folgetag erfolgt die definitive Programmierung entsprechend den individuellen Bedürfnissen des Patienten. Anschließend kann der Patient das Krankenhaus verlassen. Während der folgenden zwei Wochen muss der linke Arm geschont werden, bis die Sonden und das Gerät reizlos eingewachsen sind.

Nachsorge

In regelmäßigen Abständen muss der ICD kontrolliert werden. Dies erfolgt mit einem speziellen Programmiergerät und einem auf die Haut gelegten Abfragekopf (Telemetriekopf). Dabei können die gespeicherten Herzrhythmusstörungen, die erfolgte ICD-Therapie sowie Batteriespannung und Elektrodenzustand (Impedanz) abgefragt werden. Außerdem werden zahlreiche Diagnostikwerte unter Berücksichtigung der Herzaktivität des Patienten und des Therapieerfolgs mit abgefragt. Die Kontrolle dauert normalerweise weniger als eine halbe Stunde.

Die allererste Nachsorgeuntersuchung nach der Entlassung findet bereits innerhalb der ersten vier Wochen nach der Implantation statt. Hierbei legt der Arzt sein Augenmerk vor allem auf die Wundheilung der Implantationsstelle sowie auf die Therapieeinstellungen des ICDs. Unter Umständen verändert er auch die Programmierung des Defibrillators noch einmal, um die ICD-Therapie besser an die gesundheitlichen Erfordernisse des Patienten anzupassen. Dieser Vorgang erfolgt aber von außen über das Programmiergerät und ist daher schmerzfrei.

Auf dem Bildschirm des Programmiergerätes kann der Arzt sämtliche Einstellungen des ICDs abrufen und beispielsweise erkennen, wie lange die Batterie noch halten wird. Da das Herz über Elektroden mit dem ICD verbunden ist, kann er sämtliche Herzaktionen und verabreichten Therapien wahrnehmen und speichern. Während der Nachsorge kann der Arzt diese Informationen über das Programmiergerät abrufen und  kontrollieren. Auf diese Weise weiß der Arzt genau, wie das Herz des Patienten zum Zeitpunkt einer Impulsabgabe reagiert hat.

Mehr Sicherheit mit Telemedizin

Moderne ICD-Systeme verfügen inzwischen standardmäßig über eine telemedizinische Funktion, die dem Patienten zwischen den Nachsorgeterminen mehr Sicherheit bietet. Normalerweise sieht der Arzt den Patienten alle sechs Monate und hat auch nur zu diesen Terminen die Möglichkeit, das Implantat und die Herzfunktion zu kontrollieren. Eine kleine Antenne im Implantat ermöglicht nun die tägliche Übertragung von wichtigen klinischen und technischen Informationen aus dem Implantat an den behandelnden Arzt. Der Patient erhält hierfür ein kleines Handy-ähnliches Übertragungsgerät, das er auf seinem Nachttisch platziert. Die Datenübertragung läuft vollautomatisiert und ohne Zutun des Patienten. Tritt eine gefährliche Rhythmusstörung auf oder ein Sondendeffekt, erhält der Arzt eine entsprechende Meldung, so dass er den Patienten zeitnah kontaktieren und ggf. zur Kontrolle einbestellen kann. Auf diese Weise können bedrohliche Veränderungen frühzeitig erkannt und die Therapie entsprechend angepasst werden. Der Nutzen dieser telemedizinischen Beobachtung wurde bereits in mehreren wissenschaftlichen Untersuchungen belegt. Die IN-TIME-Studie aus dem Jahr 2014 hat besonders beeindruckend gezeigt, dass der Einsatz von Telemedizin bei Herzschwäche-Patienten mit einem ICD die Prognose deutlich verbessern kann.