Chemotherapie & Herzinsuffizienz: Risiken und Managementstrategien

In diesem Beitrag geht es um den Zusammenhang von Krebstherapie bzw. Chemotherapie und Herzerkrankungen. In der modernen Medizin stellen Chemo- und Strahlentherapien eine etablierte Methode in der Bekämpfung von Krebserkrankungen dar. Trotz ihrer Effektivität im Kampf gegen maligne Zellen, bringen diese Therapieformen auch eine erhebliche Belastung für den Körper mit sich.

Besonders die Herzfunktion kann nach einer Chemotherapie beeinträchtigt werden, wodurch das Risiko einer Herzinsuffizienz steigt. Dieses Risiko hat in der medizinischen Forschung zunehmend an Bedeutung gewonnen, da Onkologen und Kardiologen bestrebt sind, die Nebenwirkungen auf das kardiovaskuläre System zu minimieren.

Die Herzinsuffizienz zeichnet sich durch eine verringerte Pumpleistung des Herzens aus und kann als Folgeerscheinung einer onkologischen Behandlung auftreten.

Demzufolge richtet sich das Augenmerk verstärkt auf Präventionsmaßnahmen und Therapieansätze, die das Risiko für eine Beeinträchtigung der Herzfunktion reduzieren. Wichtige Erkenntnisse aus diesem Bereich sind mittlerweile zentraler Bestandteil der Onkologie und Kardiologie.

Das Wichtigste auf einen Blick
  • Chemotherapie und Strahlentherapie können Herzinsuffizienz verursachen: Behandlungen für Krebs, einschließlich Chemotherapie und Strahlentherapie, bergen das Risiko der Kardiotoxizität, was zu Herzinsuffizienz führen kann.
  • Krebspatienten haben ein erhöhtes Risiko für Herzprobleme: Die Wahrscheinlichkeit, Herzinsuffizienz zu entwickeln, ist in den ersten fünf Jahren nach einer Krebsdiagnose dreimal höher im Vergleich zu Personen ohne Krebserkrankung.
  • Auswirkungen von Chemotherapeutika variieren: Einige Chemotherapeutika können sofortige oder verzögerte Herzschäden verursachen, wobei Anthrazykline für akute und langfristige Herzprobleme bekannt sind.
  • Bluthochdruck als Langzeitfolge: Nach einer Krebsbehandlung können Patienten einen erhöhten Blutdruck erleben, was zu einem erhöhten Risiko für eine Reihe von Herzerkrankungen führt.
  • Intensive Überwachung und Kooperation sind entscheidend: Eine engmaschige Zusammenarbeit zwischen Onkologen und Kardiologen sowie die Nutzung von Biomarkern und Echokardiografien sind wesentlich, um das Herzrisiko bei Krebspatienten zu minimieren.

Kann Krebstherapie eine Herzinsuffizienz zur Folge haben?

Die Lebensdauer von Krebspatienten hat sich dank innovativer Therapien verlängert. Diese Therapien können jedoch auch zu Herzerkrankungen führen, eine Bedingung bekannt als Kardiotoxizität. Besonders nach einer Chemo- oder Strahlentherapie ist das Risiko einer Herzinsuffizienz vorhanden.

Dabei wird der Herzmuskel geschädigt, und die Pumpleistung des Herzens kann eingeschränkt sein, was eine intensive medizinische Behandlung erfordert.

Kardiale Langzeitrisiken für Krebsüberlebende

Ein Jahr nach einer Krebsdiagnose beginnt das Risiko für Herzinsuffizienz, das bis zu zwei Jahrzehnte anhalten kann. In den ersten fünf Jahren nach der Diagnose ist das Risiko sogar um das Dreifache erhöht, im Vergleich zu Menschen ohne Krebserkrankung.

Krebsüberlebende, die in ihrer Kindheit erkrankten, haben ein 15-mal höheres Risiko, im Laufe ihres Lebens eine Herzinsuffizienz zu entwickeln.

Einfluss von Chemotherapeutika auf das Herz

Die Auswirkungen einer Tumortherapie auf das kardiovaskuläre System sind komplex und die Forschung dazu ist noch nicht abgeschlossen.

Manche Chemotherapeutika wirken sich sofort aus, andere zeigen erst Jahre später ihre Folgen. Während einige Wirkstoffe die Herzfunktion nur vorübergehend beeinträchtigen, verursachen andere permanente Schäden.

Auswirkungen spezifischer Medikamentengruppen:

  • Anthrazykline: Diese kommen oft zum Einsatz und beeinträchtigen das Herz auf unterschiedliche Weise. Bei einigen Patienten treten akute Reaktionen wie Abnormalitäten im Elektrokardiogramm oder Vorhofflimmern auf. Andere entwickeln eine Herzinsuffizienz innerhalb eines Jahres oder erst nach Jahren. Eine frühzeitige Diagnose kann zu einer Erholung des Herzens führen, während eine späte Diagnose die Behandlung erschwert. Risikofaktoren für Herzinsuffizienz bei Anthrazyklin-Behandlung sind beispielsweise ein hohes oder sehr niedriges Alter, weibliches Geschlecht, Nierenversagen oder eine parallele Strahlentherapie.
  • Zytostatika: Neben Anthrazyklinen verursachen auch andere Anti-Tumor-Medikamente Herzprobleme, häufig unmittelbar nach der Therapie. Aufgrund der Kombinationstherapien ist es schwierig zu bestimmen, welches Medikament die Probleme verursacht.
  • VEGF-Hemmer: Diese blockieren das Wachstum neuer Blutgefäße, was Herznebenwirkungen hervorrufen kann, die entweder vorübergehend oder dauerhaft auftreten können. Das Risiko für eine Herzinsuffizienz steigt insbesondere bei gleichzeitiger Verabreichung mit anderen Chemotherapeutika.
  • Weitere Substanzen: Dazu zählen BCR-ABL-Kinase-Hemmer und Proteasom-Hemmer, die beide das Potenzial haben, Komplikationen des Herz-Kreislauf-Systems zu verursachen.
  • Immuntherapien: Antikörpertherapien können ebenso das Herz belasten, vor allem bei Patienten mit vorbestehenden Herzleiden oder Vorbehandlung mit Anthrazyklinen. Eine Unterbrechung der Chemotherapie und sofortige Behandlung der Herzinsuffizienz können zu einer Erholung des Herzens führen.

In vielen Fällen resultiert eine Linksherzinsuffizienz, bei der die linke Seite des Herzens beschädigt ist und das Blut nicht mehr effektiv durch den Körper gepumpt werden kann. Symptome einer solchen Insuffizienz können Leistungsabfall, Atemnot oder Wassereinlagerungen in Körperextremitäten wie Knöcheln und Beinen sein.

Bluthochdruck und kardiovaskuläre Risiken nach Krebsbehandlungen

Bluthochdruck zählt nicht selten zu den Spätfolgen, die sich nach einer Chemotherapie manifestieren können. Diese Zunahme des Blutdrucks kann sich langfristig negativ auf das Herz-Kreislauf-System auswirken und birgt das Risiko für verschiedenste Erkrankungen.

Langzeitwirkungen umfassen:

  • Koronare Herzerkrankungen, bei denen die Blutgefäße, die den Herzmuskel versorgen, verengt werden
  • Herzklappenprobleme, die durch eine Fehlfunktion der Herzklappen gekennzeichnet sind
  • Herzrhythmusstörungen, die unregelmäßige Herzschläge verursachen
  • Thrombosen, also Blutgerinnsel, die die Blutzirkulation blockieren können
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), eine Durchblutungsstörung der Beinarterien
  • Schlaganfälle, verursacht durch eine Unterbrechung der Blutzufuhr zum Gehirn

Prophylaxe: Um das Risiko dieser Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu minimieren, heben Ärzte die Bedeutung einer frühzeitigen Erkennung und Prävention hervor.

Eine sorgfältige Überwachung des Blutdrucks und Anpassungen im Lebensstil, wie eine gesunde Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität und Vermeidung von Tabak und übermäßigem Alkoholkonsum, können wesentlich dazu beitragen, Bluthochdruck zu kontrollieren und das Risiko einer Herzinsuffizienz zu verringern.

Zudem empfehlen Mediziner regelmäßige kardiovaskuläre Untersuchungen bei Patienten, die eine Krebsbehandlung durchlaufen haben, um potenzielle Spätkomplikationen frühzeitig erkennen und behandeln zu können.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Onkologen, Kardiologen und anderen Spezialisten ist dabei von entscheidender Bedeutung.

Herzschäden nach Bestrahlungstherapie

In der modernen Onkologie spielt die Strahlentherapie eine wesentliche Rolle im Kampf gegen Krebserkrankungen. Allerdings kann diese Behandlung mitunter auch das Herz belasten. Die Zusammenhänge zwischen Strahlenexposition und Herzproblemen sind komplexer zu verstehen als die toxischen Effekte von Medikamenten.

Der kombinierte Einsatz von Chemotherapie und Strahlentherapie in Behandlungsregimen erschwert die klare Zuordnung von Nebenwirkungen zu einer spezifischen Therapieform. Hinzu kommt, dass die Zeitspanne bis zum Auftreten von kardialen Folgen der Bestrahlung beträchtlich sein kann.

Die kardiale Belastung durch therapeutische Bestrahlung variiert je nach:

  • Intensität der verwendeten Strahlung
  • Lage der bestrahlten Körperregion

Besonders untersucht wurde der Einfluss der Bestrahlung bei Brustkrebspatientinnen. Trotz der nahen Lage des Herzens zum Behandlungsfeld der Brust, zeigte eine umfassende Studie, dass das Todesrisiko aufgrund von Herzkrankheiten bei diesen Patientinnen nicht höher liegt als in der Gesamtpopulation der Frauen. Dieses Ergebnis wird dem fortschrittlichen Risikomanagement in Kliniken zugeschrieben. Dank des Verständnisses über mögliche Nebenwirkungen, wird bei Patientinnen eine intensive Überwachung der Herzgesundheit praktiziert, um frühzeitig auf Anzeichen von Herzerkrankungen reagieren zu können.

Die verspätete Manifestation einer Herzfunktionsstörung nach einer Strahlenbehandlung unterstreicht die Relevanz von:

  • Strukturierte Nachsorge
  • Spezialisierte kardiologische Betreuung

Patienten mit entsprechender Vorgeschichte sollten daher nach einer Tumorbehandlung langfristig von Kardiologen betreut werden, die mit den Langzeitfolgen der Bestrahlungstherapie vertraut sind. Eine solche Überwachung zielt darauf ab, das Risiko einer Herzinsuffizienz zu minimieren.

Behandlung von Krebs bei vorliegender Herzschwäche

Patienten mit einer Herzschwäche, die eine Krebstherapie benötigen, bedürfen einer besonderen Überwachung und Koordination der Behandlung. Onkologen und Kardiologen müssen eng zusammenarbeiten, um eine sorgfältige Betreuung zu gewährleisten.

Im Rahmen der Überwachung spielen bestimmte Biomarker eine zentrale Rolle. Dazu zählt unter anderem das Troponin, welches Aufschluss über die Herzfunktion bietet. Ebenso ist die Durchführung regelmäßiger Echokardiografien zur Beurteilung der Herzleistung üblich.

Es wird geraten, in der chemotherapeutischen Behandlung auf den Einsatz von Anthrazyklinen zu verzichten, wenn eine Herzinsuffizienz vorliegt. Stattdessen sollte auf Alternativen zurückgegriffen werden, die das Herz weniger belasten. Sollte dennoch die Verwendung von Anthrazyklinen unumgänglich sein, sind spezifische Schutzmaßnahmen für das Herz zu ergreifen.

Kooperationsnotwendigkeiten

  • Onkologen: Zuständig für die Krebstherapie
  • Kardiologen: Überwachung der Herzgesundheit

Überwachungsmaßnahmen

  • Biomarker-Tests: Einschließlich Troponin-Messung
  • Echokardiografien: Regelmäßige Herzfunktionsprüfungen

Therapieempfehlungen

  • Vorzugsweise chemotherapeutische Behandlungen ohne Anthrazykline
  • Falls notwendig, Einsatz von Herzprotektion

In der Fachliteratur wird zusätzlich hervorgehoben, dass intensive Überwachung und angepasste Behandlungsstrategien für diese Patientengruppe entscheidend sind, um das Risiko einer weiteren Verschlechterung der Herzfunktion zu minimieren und ein optimales Behandlungsergebnis zu erzielen.